Van Rompuy und Ashton
Der freie Mann und die Baroness

Am Ende haben sich die EU-Regierungen doch noch überraschend schnell geeinigt: Belgiens Ministerpräsident Herman Van Rompuy wird europäischer Ratspräsident, die Britin Catherine Ashton bekommt den Job als Chefaußenpolitikerin der Union. Damit wird Europa künftig von zwei Persönlichkeiten repräsentiert, deren hervorstechendste Eigenschaft es bisher war, wenig aufzufallen.
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BRÜSSEL/LONDON. Humorvoll, gewissenhaft und unberechenbar – so lässt sich der neue EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy beschreiben. Er selbst sieht sich gerne als „freier Mann“ ohne Bindung an einen bestimmten Posten. „Ich kann meinen Job jederzeit aufgeben, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen“, hatte der belgische Premier noch vor ein paar Wochen in einem Interview erklärt. Es dürfte ihm also leichtfallen, seinen Sessel gegen den des EU-Ratspräsidenten einzutauschen.

Der 62-jährige flämische Christdemokrat war bisher ein weitgehend unbeschriebenes Blatt im EU-Politzirkus. Schließlich ist er erst vor zehn Monaten zum belgischen Regierungschef ernannt worden und nimmt erst seitdem an den EU-Gipfeltreffen teil. Selten hat er dort bisher seine Stimme erhoben – ganz nach dem belgischen Prinzip, lieber Kompromisse zu schließen, als auf Konfrontation zu gehen. Genau das dürfte den 27 Staats- und Regierungschefs gefallen haben. Sie erwarten, dass der Belgier nicht unbequem wird und nicht zu stark in die Politik der Hauptstädte eingreift.

Aber Van Rompuy, studierter Philosoph und bekennender Katholik, lässt durchaus nicht alles mit sich machen. Immer wieder hat er in Belgien mit seinen Meinungsäußerungen überrascht. Er lässt sich in keine Schublade stecken und ist deshalb sowohl bei den Flamen als auch bei den frankophonen Belgiern beliebt. „Seine Methode ist perfekt. Er schafft es, dass ihm alle Seiten vertrauen“, sagt Didier Reynders, Vorsitzender der frankophonen Liberalen in Brüssel. Nach monatelangem Chaos in der Innenpolitik hat es Van Rompuy binnen kürzester Zeit geschafft, die Wogen zu glätten und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Frankophone und Flamen konstruktiv zusammenarbeiten.

Wie Van Rompuy galt auch die neue „EU-Außenministerin“ Catherine Ashton bislang weitgehend als unbeschriebenes Blatt. Selbst in Großbritannien kennen nur ganz versessene Politik-Fans die Baroness Ashton of Upholland. Ashton ist Gremienkarrieristin, und es ist nicht das erste Mal, dass sie mit einem Karriereschritt Überraschung auslöst.

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