Varoufakis in Washington
IWF gewährt Griechenland keinen Zahlungsaufschub

Finanzminister Varoufakis bekräftigt in Washington, dass Griechenland keine Kreditvereinbarungen unterzeichnen wird, die das Land überfordern könnten. Man arbeite aber fieberhaft an einer „ehrbaren Vereinbarung“.
  • 19

IWF-Chefin Christine Lagarde hat Hoffnungen Griechenlands auf einen Aufschub von Kreditrückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Dämpfer versetzt. Sie machte in Washington deutlich, dass das Euro-Krisenland kaum mit einer solchen Entlastung für seine angespannte Finanzlage rechnen kann. „Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass uns ein entwickeltes Land um einen Zahlungsaufschub gebeten hat“, sagte sie. Eine Stundung der griechischen Kreditrückzahlungen sei nichts, was man in der aktuellen Situation empfehlen könne, machte Lagarde deutlich. Der IWF ist einer der großen Geldgeber bei den zwei Multi-Milliarden-Hilfsprogrammen der letzten Jahre für das Euro-Land.

Dabei sprach sich der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis auf seiner USA-Reise erneut für den Verbleib seines hochverschuldeten Landes in der Euro-Zone ausgesprochen. Gedankenspiele über ein Ausscheiden Athens aus der Gemeinschaftswährung seien „zutiefst anti-europäisch“, sagte Varoufakis am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung im Washingtoner Politikinstitut Brookings. Seine Regierung bemühe sich „in jeder wachen Stunde“ darum, eine „ehrbare Vereinbarung“ mit seinen Gläubigern von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu schließen.

Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung droht Athen die Zahlungsunfähigkeit. Die Verhandlungen über ein Reformprogramm – die von den Geldgebern gestellte Bedingung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche von 7,2 Milliarden Euro – machen aber praktisch keine Fortschritte. Die EU-Kommission ließ am Donnerstag verlauten, Brüssel sei „nicht zufrieden“ mit den bisherigen Gesprächen. Ein Durchbruch beim Treffen der Euro-Finanzminister Ende kommender Woche in Riga gilt als wenig wahrscheinlich.

Varoufakis sprach am Donnerstag dagegen von „großen“ Gemeinsamkeiten auf beiden Seiten. Welche Punkte noch ungelöst sind, wollte er bei der Veranstaltung am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank nicht verraten. Der griechische Finanzminister verlangte aber erneut ein Entgegenkommen der Gläubiger bei den harten Sparauflagen. „Wir sind dieser Medizin überdrüssig“, sagte er.

Er bekräftige aber auch, keine Kreditvereinbarungen zu unterzeichnen, die das Land überfordern könnten. Dies wäre ein falscher Schritt. Er könne seine Unterschrift nicht unter Ziele setzen, von denen die Regierung in Athen wisse, dass das Land sie nicht erreichen könne. Varoufakis sagte zudem, er wolle die Verhandlungen mit den Geldgebern so schnell wie möglich abschließen.

Der EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici betonte am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP in Washington, dass es keine Vorbereitungen für den Fall eines griechischen Ausscheidens aus dem Euro gebe. „Es gibt keinen Plan B“, sagte Moscovici. „Die Haltung der EU-Kommission ist weiter, dass Griechenland seinen Platz in der Eurozone hat. Auf dieser Grundlage arbeiten wir.“ Allerdings beklagte der EU-Kommissar, dass die Verhandlungen mit Athen „zu langsam“ vorangingen. „Die Zeit läuft ab.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Varoufakis in Washington: IWF gewährt Griechenland keinen Zahlungsaufschub"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es war unverantwortlich den Euro unter den damaligen Bedingungen einzuführen. Es war unverantwortlich Griechenland in den Euro aufzunehmen. Es gab genügend kompetente Fachleute, die vor beidem gewarnt haben. Es war also sehr wohl vorher sehbar. ich kann mich noch an die Bargeldeinführung erinnern, als mich Kunden fragten, was ich vom Euro halte. Ich habe darauf gesagt, dass ich für den Euro bin, aber am Ende einer Entwicklung, nicht am Anfang. Das kann nicht gutgehen. Leider ist es eingetreten. Unabhängig von Griechenland ist der Euro am Ende. Griechenland hätte nie die Kredite bekommen dürfen. Griechenland erhält Milliarden von Euro aus div. EU-Programmen. Die Gelder fließen meistens in dubiose Kanäle. Wir hätten weder damals, noch heute humanitäre Hilfe leisten müssen. Griechenland ist kein Land in Afrika, das von einer Naturkatastrophe betroffen ist. Die Griechen haben ihre Regierungen, genau wie wir, selber gewählt. Die jetzige Regierung ist bald 3 Monate im Amt und hat es nicht geschafft aufzuzeigen, wie sie die Probleme angehen will. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Maßnahmen, außer solchen, die die Finanzlage nur noch verschlechtern. Die europäischen Politiker lassen sich von diesen Typen vorführen. Alle reden vom (möglicherweise schon wieder manipulierten) Primärüberschuss, der aber so niedrig ist, dass nicht mal die geringen Zinsen gezahlt werden können. Von Tilgung kann ja überhaupt keine Rede sein. Fällige Darlehen werden z.L. ELA und Target 2 getilgt. Reine Insolvenzverschleppung unter Beihilfe der EZB. Warum sollten wir dem schlechten Geld noch gutes hinterher werfen?

  • Welchen Standpunkt man zum "Reichtum" in Deutschland auch immer vertreten will. Griechenland fährt mit Tsipras eine Eskalationsstrategie. Es ist wie Argentinien 2.0.

    Kommt es im Schuldenstreit zu einer Einigung, dann sehen wir in Griechenland wahrscheinlich Neuwahlen, weil die griechische Bevölkerung getäuscht wurde. Kommt es zu keiner Einigung, dann sehen wir auch Neuwahlen, weil die griechische Bevölkerung dann auch wenig begeistert sein dürfte über die Folgen der Politik Tsipras.

    Was also immer jetzt kommt, so ist klar, dass Tsipras ein Politiker von gestern ist.

  • Die Tatsache, daß der EU Kommissar Moscovivi verlauten läßt, man verfüge über keinen Plan für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro Zone, ist im strafrechtlichen Jargon nicht nur als grob fahrlässig, sondern als vorsätzlich zu bezeichnen. Manche Kommissare in Brüssel scheinen vergessen zu haben, daß sie den Interessen aller Bürger in der EU verpflichtet sind und nicht nur den Partikularinteressen der Bevölkerung eines maroden Landes, welches sich seit langem in der Rolle des Zahlungsempfängers eingerichtet hat. Die steuerzahlenden Bürger der EU wollen wohl kaum dauerhaft einen Staat alimentieren, in dem die Hinterziehung von Steuern ( übrigens nicht nur durch die sog. Eliten ) Jahrzehnte als Tugend gefeiert wurde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%