Varoufakis in Washington
USA wollen im Griechenland-Streit vermitteln

Die USA haben Griechenland zugesichert, im Streit mit seinen Geldgebern in eine Vermittlerrolle einzunehmen. Unterdessen warnt Schulz den griechischen Premier Tsipras vor einem Ausscheren aus der Russlandpolitik der EU.
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WashingtonDie US-Regierung ist nach Angaben aus Athen bereit, im Streit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern als Vermittler zu fungieren. Wie das griechische Finanzministerium am Dienstag mitteilte, versicherte die Regierung von US-Präsident Barack Obama während des Besuchs von Finanzminister Giannis Varoufakis am Sonntag und Montag in Washington, dass sie eine "Mittlerrolle" spielen wolle. Ziel sei es, zu einer "ehrlichen Einigung" zwischen Athen und seinen Partnern sowie zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone zu kommen.

Varoufakis hatte in Washington dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die fristgerechte Rückzahlung eines Kredits in Höhe von 460 Millionen Euro bis Donnerstag zugesichert. Außer mit der IWF-Chefin Christine Lagarde traf sich der griechische Finanzminister in Washington auch mit dem Staatssekretär für internationale Beziehungen im US-Finanzministerium, Nathan Sheets, sowie mit der Obama-Beraterin für internationale Wirtschaftsfragen, Caroline Atkinson.

Zuletzt hatte es Bedenken von Seiten der internationalen Gläubiger gegeben, ob Athen in der Lage ist, die Gelder wie vereinbart bis zum 9. April zurückzuzahlen. Derzeit steht Griechenland in Verhandlung mit seinen Kreditgebern über die Auszahlung der letzten Tranche des laufenden zweiten Hilfspakets.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), warnte unterdessen den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras vor einem Ausscheren aus der gemeinsamen Russlandpolitik der EU. Griechenland verlange und bekomme von der EU "viel Solidarität", sagte Schulz dem "Münchner Merkur" (Mittwochsausgabe). Umgekehrt könne die EU verlangen, dass Tsipras als Ministerpräsident eines EU-Mitgliedsstaats an der einheitlichen Haltung gegenüber Russland festhalte.

Tsipras reist am Mittwoch nach Moskau. Die Europäische Union hat im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt.

Schulz kritisierte auch die Athener Reparationsforderungen an Deutschland. Es sei "kontraproduktiv, diese emotional aufgeladenen Fragen mit der aktuellen Finanzierungskrise in Griechenland zu vermischen", sagte er. Für ihn seien - wie für die Bundesregierung - Fragen der Reparationsleistungen "politisch und juristisch geklärt".

Griechenland beziffert die Reparationsforderungen für die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs auf 278,7 Milliarden. Für den von den Nazis 1942 auferlegten Zwangskredit verlangt Athen eine Rückzahlung von 10,3 Milliarden Euro. Die restliche Summe dient nach Angaben des stellvertretenden Finanzministers Dimitris Mardas zur Entschädigung von Bürgern sowie zur Wiedergutmachung von Kriegsschäden.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Das die Landwirtschaft in GR als Beispiel die Pfirsichbauern mal genannt, die ausschließlich nach Russland exportiert haben ,in großer Not sind , wird nie in den Medien erwähnt. Wie soll ein Land mit einem BIP von 132 Milliarden USD weiter
    kommen , wenn die GR Wirtschaft durch die Sanktionen an Russland ebenfalls Sanktionen seitens Russlands unterworfen wird?

    Die 132 Milliarden USD können ausreichend sein bei 11 Millionen Einwohnern und ein weiterer Ausbau der Einnahmen wäre in Sicht, wenn die EU und der IWF
    nicht soviel Geld über Griechenland ausgeschüttet hätten, um damit Banken zu befriedigen. Wo bleibt das Risiko der Banken???? Diese Sicherungspolitik des IWF und der EU hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Wer Investoren dadurch absichert. dass die Verluste von Bürgern getragen werden....ist ein Verbrecher !!!!

    Also macht weiter ihr Griechen , am Ende können wir ein neues Europa aufbauen
    ohne in die Knechtschaft der Finanzmafia zu geraten. Das mit Griechenland läuft ja auch bei Privatpersonen und kleinen Unternehmen genauso ab.

    Völlige Vernichtung und dann wird erwartet dass man nun die Kraft hat seine Schulden zu tilgen.

    Vollstreckungsgesetze geschrieben von der Finanzmafia unterschrieben unter anderem von Roten Sozialdemokraten im Dienst dieser Mafia.

  • Die US-Regierung ist nach Angaben aus Athen bereit....."
    Aha, Murksel bekommt ihre Befehle....

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