Varoufakis über Rücktritt
„Ich bin erleichtert“

Yanis Varoufakis spricht in einem Interview über seine Zeit als griechischer Finanzminister. Für seine europäischen Kollegen hat er dabei kaum ein gutes Wort übrig. Und er gibt den Grund für seinen Rücktritt preis.
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AthenNach seinem überraschenden Rücktritt als griechischer Finanzminister hat Giannis Varoufakis in einem Interview über seine Zeit bei der Eurogruppe und die Gründe für seinen Rückzug gesprochen. Varoufakis sagte dem britischen Magazin „New Statesman“ in einem am Montag veröffentlichten Interview, wann immer er bei seinen europäischen Ministerkollegen wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe, sei er mit „leeren Blicken“ bedacht worden. „Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler dem Magazin.

Das Interview wurde vor dem jüngsten Abkommen zwischen Griechenland und der Eurogruppe über ein neues Hilfsprogramm geführt. Varoufakis hatte eigentlich für den Fall, dass die Griechen beim Referendum vor über einer Woche über die Gläubigerpläne mit Ja stimmen, seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Die Griechen stimmten indes mit über 61 Prozent gegen die Reformforderungen – Varoufakis trat überraschend trotzdem zurück.

Als Grund nannte er die ablehnende Haltung ihm gegenüber in der Eurogruppe. Zudem sei sein Abschied von Regierungschef Alexis Tsipras als „potenziell hilfreich“ betrachtet worden. Dem britischen Magazin sagte Varoufakis nun, er sei zurückgetreten, weil er bei einem Kabinettstreffen überstimmt worden sei, bei dem er für eine harte Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) geworben hatte. So schlug er unter anderem vor, der EZB die Kontrolle über die griechische Zentralbank abzunehmen sowie Schuldscheine einzuführen. Er sei aber bei zwei zu vier Stimmen überstimmt worden.

Varoufakis zeigte sich zudem erleichtert, die Zeit als Minister hinter sich zu haben. Fünf Monate lang habe er täglich nur zwei Stunden geschlafen. „Und ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann.“

Mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ging er hart ins Gericht. Die Euro-Finanzminister seien „komplett“ von ihm dominiert. Die Gruppe sei „wie ein äußerst gut dirigiertes Orchester“ mit Schäuble als Chef.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Varoufakis über Rücktritt: „Ich bin erleichtert“"

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  • "Die Euro-Finanzminister ... Gruppe sei „wie ein äußerst gut dirigiertes Orchester“ mit Schäuble als Chef."

    In einer Gruppe hat der kompetenteste - und in diesem Fall auch der Erfahrenste - natürlich eine herausgehobene Stellung. Wenn es anders wäre, müßte man sich Sorgen machen. So einem Schwergewicht wie ihm würde es nur die Arbeit erleichtern, wenn es in der Eurogruppe noch weitere von seinem Format gibt.

    Also Herr Varoufakis - ein besseres Lob konnten Sie nicht aussprechen für unseren Finanzminister.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • das ist doch immer das Gleiche mit den zurückgetretenen Ministern; kaum sind sie zurückgetreten, wissen sie alles besser und sonnen sich im Glanz ihrer Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen; ich denke, auch dieser Minister hat einen Eid auf die griechische Verfassung geleistet; "zum Wohle des griechischen Volkes" und nicht als zurückgetretener "Scherzkeks". Nicht jeder Professor ist ein guter Professor. In Deutschland gab es ja auch einmal einen flüchtigen Finanzminister, Lafontaine, der im nachhinein jedem aus seiner Sicht gute Ratschläge erteilen wollte nur sich selbst nicht. Vielleicht wollte Varoufakis auch nur ordentlich seine eigene Werbetrommel drehen; als Minister war er zumindest eine richtig große Niete.

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