Varoufakis vor Treffen der Euro-Gruppe
„Wir haben alles Menschenmögliche getan“

Die Finanzminister der Euro-Staaten beraten heute die griechische Schuldenmisere. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Die Reformanstrengungen reichen den Gläubigern nicht. Der griechische Finanzminister sieht das anders.
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Die griechische Regierung hat nach Darstellung von Finanzminister Yanis Varoufakis alles ihr Mögliche getan, um eine Einigung mit der Euro-Gruppe am Montag zu erzielen. Jetzt müssten die Geldgeber den politischen Willen dazu zeigen, sagte Varoufakis kurz vor seiner Abreise zum Treffen der Euro-Gruppe am Nachmittag in Brüssel dem Radiosender der linken Regierungspartei Syriza „Sto Kokkino“. Varoufakis rechnete selbst allerdings nicht mit einer Einigung noch am Montag: „Es wird (heute) schwierig sein“, sagte er.

Die Einigung könnte „in den kommenden Tagen“ folgen. „Die Regierung hat alles Menschenmögliche getan. Die Lösung ist sichtbar“, sagte Varoufakis. Bevor sich die Finanzminister treffen, bespricht sich der Grieche mit seinem deutschen Amtskollegen. Die beiden Minister würden noch vor dem am Nachmittag geplanten Euro-Finanzministertreffen in Brüssel zusammenkommen, sagte ein Sprecher von Wolfgang Schäuble in Berlin. Ohne ein umfassendes und fest vereinbartes Reformpaket, um das seit dem Antritt der neuen Regierung in Athen gerungen wird, wollen die Geldgeber blockierte Kredithilfen von 7,2 Milliarden Euro nicht an das pleitebedrohte Land auszahlen.

Zweifel, die Regierung könnte die am Dienstag anstehende Schuldenrückzahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht leisten, konnte Athen bereits aus dem Weg räumen. Griechenland wolle alle seine Verpflichtungen erfüllen, sagte der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis. Er reagierte damit auf die Frage, ob Griechenland an diesem Dienstag eine Tilgungszahlung an den IWF in Höhe von 756 Millionen Euro leisten werde. „Die griechische Regierung hat die Verantwortung, alle ihre Verpflichtungen sowohl im In- als auch im Ausland zu erfüllen.“

Was grundlegende Reformen angeht, sieht der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger die Regierung in Athen am Zug. „Ich erwarte in den nächsten Tagen ein echtes Entgegenkommen, dass Griechenland bereit ist, auf den Reformpfad zurückzukommen“, sagte Oettinger am Montag. Inzwischen gebe es eine deutlich bessere Arbeitsgrundlage mit den griechischen Behörden. Lösungen in den nächsten Tagen seien denkbar, sagte Oettinger. „Nicht heute, nicht diese Woche“, schränkte er allerdings ein. Parallel müsse die Regierung in Athen wissen, wie sie zahlungsfähig bleibe.

Auch Frankreich warnt vor dem Euro-Finanzministertreffen vor überzogenen Erwartungen. Das Treffen an diesem Montag sei „wichtig, aber nicht entscheidend“, sagte Finanzminister Michel Sapin. Es habe zwar Fortschritte gegeben, doch reichten diese noch nicht für einen Abschluss aus. Es würden noch „einige Tage oder Wochen“ bis zu einem Abkommen vergehen. Er habe aber keinen Zweifel daran, dass auf beiden Seiten der politische Wille vorhanden sei. Ob bei dem Ministertreffen in Brüssel eine gemeinsame Erklärung zu erwarten ist, ließ er offen. „Es bleibt ein komplexer und heikler Prozess. Auf der griechischen Seite herrscht Anspannung.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Varoufakis vor Treffen der Euro-Gruppe: „Wir haben alles Menschenmögliche getan“"

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  • "Die griechische Regierung hat nach Darstellung von Finanzminister Yanis Varoufakis alles ihr Mögliche getan, um eine Einigung mit der Euro-Gruppe am Montag zu erzielen. Jetzt müssten die Geldgeber den politischen Willen dazu zeigen, sagte Varoufakis."...Selten so gelacht. Von dieser Chuzpe könnten Merkel & Co noch lernen. 12.000 neue Beamte einstellen, ohne sie selbst bezahlen zu können, Steuerflüchtige nicht verfolgen, Reeder schonen, Hetze gegen Deutschland, Lug und Trug sowie Erpressungen bei den Verhandlungen über die unabwendbaren Strukturreformen in GR. Wir lange wollen sich eigentlich unsere Politiker noch auf der Nase herumtanzen lassen von dem Kommunisten Tsipras und Kumpane? Schon jetzt wirken sie "weichgekocht" in dem Kräftemessen, bei dem es nur darum geht, wer als erster die Nerven verliert und nachgibt, . Es ist also nur eine Frage von wenigen Wochen, bis sie uns "dummen" Bürgern die verlogenen Versprechungen der griechischen Regierung als den großen Durchbruch bei den Verhandlugnen verkaufen werden. Dann werden weitere gigantische Summen deutscher Steuergelder im griechischen Milliardengrab auf nimmer Wiedersehen versenkt. Man könnte wirklich lachen, wenn es nicht ein solches Trauerspiel wäre.

  • Bitte lesen und schweigen:

    http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html

  • Was regt sich eigentlich Hinz und Kunz über dieses Thema so auf ?

    Die einzigen, die sich dazu das Maul zerreißen könnten sind Gläubiger die (so blöde sind und) GRE-Anleihen im Portfolio haben. Aber welche sozialschwachen Gruppen (Rentner, Arbeitslose oder eben GRE), allesamt Subjekte die sich nicht selbst finanzieren können, nun mit meinen nicht zu knappen Steuern (hohe 6-stellige Beträge im Jahr) über Sozialtransfers durchgefüttert und am Leben gehalten werden, ist mir vollkommen egal.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

    Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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