"Vater der Luftwaffe" starb mit 80 Jahren
Israels Ex-Staatschef Weizman ist tot

Eser Weizman ist tot. Der frühere israelische Staatspräsident starb nach langer Krankheit am Sonntagabend im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Caesarea. Weizmann gehörte zu den umstrittensten Politikern Israels.

HB TEL AVIV. Der 1924 im damaligen Mandatsgebiet Palästina geborene Politiker begründete seinen legendären Ruf in Israel durch seine Rolle beim Aufbau der Luftwaffe, als deren „Vater“ er galt. In den 70er und 80er Jahren diente er als Minister für Verteidigung und andere Ressorts in mehreren israelischen Regierungen. 1993 wurde er das erste Mal zum Staatspräsidenten gewählt. Vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit trat er im Jahr 2000 wegen einer Finanzaffäre zurück.

Weizman, der zu Lebzeiten in Israel stets umstritten war, wurde von linken und rechten Politikern geehrt. Der sozialdemokratische Vizeministerpräsident Schimon Peres sagte, Weizman habe im zivilen und militärischen Leben Tapferkeit gezeigt. Es sei ein „großartiger Kommandeur“ der Luftwaffe gewesen. Der Likud-Politiker und Finanzminister Benjamin Netanjahu würdigte Weizman als Vertreter einer neuen Generation von jungen Kämpfern, die einst Israel gründeten. „Es war unmöglich, ihn nicht zu lieben, er war ein wirklicher jüdischer Patriot“, sagte Netanjahu.

Als Präsident mischte sich der Neffe des ersten israelischen Staatspräsidenten Chaim Weizman häufig in die tagespolitischen Kontroversen ein und machte sich damit unbeliebt. 1990 löste er einen politischen Sturm aus, weil er sich für Begegnungen mit der damals in Israel noch verbotenen PLO aussprach. In den 90er Jahren, nach einer Serie blutiger Anschläge, rief er mehrmals zu einer Unterbrechung der Verhandlungen mit den Palästinensern auf. Eine Gruppe von Kampfpiloten, die sich 2003 weigerten, umstrittene Einsätze in den Palästinensergebieten zu fliegen, bezeichnete er als „Krebsgeschwür“.

Als 18-Jähriger hatte sich Weizman 1942 freiwillig zur britischen Luftwaffe gemeldet, um gegen die Nazis zu kämpfen. Nach dem Krieg studierte Weizman Flugingenieurswesen in England. Als Pilot war er am ersten israelisch-arabischen Krieg in den Jahren 1948/49 beteiligt. Im Sechstagekrieg 1967 kommandierte Weizman als Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Zerstörung der ägyptischen Luftwaffe. Ende der siebziger Jahre hatte Weizman als Verteidigungsminister der rechtsgerichteten Likud-Regierung von Menachem Begin wesentlichen Anteil an der Aushandlung der Friedenslösung mit Ägypten.

1996 besuchte er als israelischer Staatspräsident Deutschland und hielt eine Rede vor dem Bundestag.

Am Dienstag wird Eser Weizman beigesetzt. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, er solle entgegen den Regeln des Protokolls in der Ortschaft Or Akiva nördlich von Tel Aviv begraben werden. Dort liegt auch sein Sohn Schauli, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Für gewöhnlich werden israelische Präsidenten auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beigesetzt.

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