Vatikan
Holocaust-Affäre im Vatikan erreicht Sarkozy

Die Kritik am Vatikan wegen Äußerungen von Holocaust-Leugner Richard Williamson reißt nicht ab. Die Deutsche Bischofskonferenzkritisierte warf den Zuständigen in Rom „offenes Versagen“ vor. Und auch der französische Staatspräsident Sarkozy zeigte sich empört. Der Vatikan selbst räumte inzwischen Fehler ein.

HB ROM/PARIS/BERLIN. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat die Äußerungen von Holocaust-Leugner Richard Williamson als schockierend und nicht hinnehmbar verurteilt. In einem Fernsehinterview am Donnerstagabend nahm Sarkozy hingegen keine Stellung zur Entscheidung von Papst Benedikt XVI., der die Exkommunizierung des Briten Williamson und dreier weiterer Bischöfe der ultrakonservativen Bruderschaft Pius X. kürzlich aufgehoben hatte.

Williamson hatte in einem Interview gesagt, es gebe Beweismaterial, dass kein einziger Mensch während des Dritten Reichs vergast worden sei. Der Vatikan erklärte am Mittwoch, der Papst habe die Äußerungen Williamsons nicht gekannt, als er der Aufhebung von dessen Exkommunikation zugestimmt habe.

Vatikansprecher Federico Lombardi räumte indessen Defizite in der Kommunikation in der Kurie ein. Zugleich nahm Lombardi in der katholischen französischen Tageszeitung „La Croix“ Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit Aufhebung der Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocausts-Leugners Richard Williamson in Schutz. Nach den Worten Lombardis muss innerhalb der Kurie noch eine „Kultur der Kommunikation“ geschaffen werden. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne zwangsläufig an eine Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Vatikans zu denken.

Wenn es bereits bei der Veröffentlichung des Dekrets die zusätzlichen Erklärungen des Staatssekretariats vom Mittwoch (4. Februar) gegeben hätte, wäre dem Vatikan viel erspart geblieben, meinte Lombardi. „Vor allem, wenn es sich um „heiße“ Themen handelt, ist es vorzuziehen, seine Erklärungen gut vorzubereiten. Aber es ist unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden“, sagte Lombardi.

Ehrlich gesagt, sei es ein „heikler Punkt“, wer die Meinung Williamsons gekannt habe, meinte Lombardi. Papst Benedikt XVI. habe das nicht gewusst. Wenn es jemand gewusst habe, sei es der Präsident der zuständigen Päpstlichen Kommission, Kardinal Darío Castrillon Hoyos, gewesen.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch kritisierte scharf den mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust- Leugners Richard Williamson habe man „den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen“, sagte Zollitsch am Donnerstag im ZDF. Kardinal Darío Castrillon Hoyos, hätte sich vergewissern müssen, „was für Personen“ die betroffenen vier Mitglieder der Piusbruderschaft seien. Dass dies nicht geschehen und Papst Benedikt nicht informiert worden sei, sei „ein offenes Versagen“.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel nach deren Äußerungen zu dem Vorgang in Schutz: „Ich habe gespürt, dass die Bundeskanzlerin eine echte Sorge hat.“ Das Enttäuschende für ihn sei gewesen, dass die von Merkel gestellte Frage längst beantwortet gewesen sei, sagte Zollitsch. Der Papst habe eindeutig dazu Stellung genommen, „dass Antisemitismus für ihn nicht in Frage kommt“. Er habe bei einem Telefonat mit Rom am Donnerstag gespürt, „dass niemand dort an diese Welle gedacht“ hätte, sagte Zollitsch.

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