Vatikan
Papst fordert Holocaust-Leugner Williamson zum Widerruf auf

Nach deutlicher Kritik hat der Vatikan den Holocaust-Leugner Richard Williamson aufgefordert, sich "eindeutig und öffentlich" von seinen Äußerungen zu distanzieren. Der britische Bischof hatte erklärt, es gebe Beweismaterial, dass kein einziger Mensch während des Dritten Reichs vergast worden sei.

HB ROM. Mit der Aufforderung an Williamson hat Papst Benedikt XVI. schließlich doch dem internationalen Druck nachgegeben, in der Gemeinschaft der Katholischen Kirche keine Holocaust-Leugner zu dulden. Das war so nicht zu erwarten, denn in den vergangenen Tagen hatte der Vatikan die Wiederaufnahme von Richard Williamson in die Kriche verteidigt und jede Kritik abgewehrt. Noch am Morgen auf seiner wöchentlichen Generalaudienz hatte der Papst über die Auseinandersetzung kein Wort verloren.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßte den Schritt des Vatikan. Die Beauftragte der CDU/CSU- Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Ingrid Fischbach, sagte: „Die Erklärung des vatikanischen Staatssekretariats lässt keine Zweifel daran, dass für Holocaust-Leugner und Antisemiten kein Platz in der katholischen Kirche ist.“ Der Solidaritätsbekundung an die Juden durch den Papst sei nun eine eindeutige Ergänzung hinzugefügt worden. „Der Wunsch der katholischen Kirche nach der konstruktiven Fortsetzung des Dialogs mit dem Judentum ist damit klar belegt worden.“

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Klarstellung Roms verlangt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte eine unmissverständliche Kurskorrektur des Vatikan. SPD-Chef Franz Müntefering forderte Rom auf, die Teil-Rehabilitierung von Williamson rückgängig zu machen. Zugleich bahnte sich ein Streit zwischen der Politik und der katholischen Kirche in Deutschland an.

Bereits gestern Abend hatte Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt, die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch den Papst hätte "klarer nicht sein können". Lombardi hatte darauf verwiesen, dass Benedikt unter anderem auch am Mittwoch der Vorwoche seine "volle Solidarität" mit den Juden bekräftigt und sich von einer Leugnung der Judenvernichtung distanziert habe. Im Übrigen habe der deutsche Pontifex klar erklärt, dass die Zurücknahme der Exkommunikation Williamsons nicht bedeute, dass damit die Holocaust- Leugnung legitimiert werde. Merkel hatte zuvor gefordert: "Es geht darum, dass vonseiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann."

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