Vatileaks-Affäre
Päpstlicher Ex-Kammerdiener kommt vor Gericht

In der Enthüllungsaffäre „Vatileaks“ muss der beschuldigte Kammerdiener des Papstes wegen schweren Diebstahls vor Gericht. Er selbst fühle sich als Werkzeug des Heiligen Geistes, verteidigte sich der Mann.
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Vatikanstadt/RomIm Enthüllungsskandal des Vatikan muss sich der ehemalige Kammerdiener des Papstes wegen schweren Diebstahls vor Gericht verantworten. Zudem werde als mutmaßlicher Komplize von Paolo Gabriele ein Computerexperte aus der Verwaltung des Vatikans angeklagt, teilte der Heilige Stuhl am Montag mit. Damit wurde zum ersten Mal eine zweite Person im Zusammenhang mit der Weitergabe brisanter Dokumente an die Medien genannt. Begründet habe Gabriele seine Taten mit „dem Bösen und der Korruption“, die er überall in der Kirche gesehen habe, teilte der Vatikan weiter mit. Er habe sich als Werkzeug des Heiligen Geistes gefühlt.

Der Vatikan veröffentlichte am Montag ein 35-seitiges Schriftstück zu dem Fall. Demnach war Gabriele der Überzeugung, dass Papst Benedikt XVI. „nicht ausreichend informiert“ über die Missstände im Vatikan sei. Nachdem er einmal damit angefangen habe, die Dokumente zu kopieren und zu verbreiten, „habe ich den Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr zurück konnte und mich nicht mehr unter Kontrolle hatte“. Er sei sich sicher gewesen, dass ein heilsamer Schock über die Medien die Kirche wieder auf den rechten Pfad zurückführen könnte. „Ich habe mich immer für Geheimdienste interessiert und irgendwie war ich der Meinung, dass diese Rolle in der Kirche dem Heiligen Geist zufiel“, sagte er. „In einer gewissen Weise sah ich mich als sein Werkzeug.“

In den veröffentlichten Dokumenten ging es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements. Der Anklage zufolge wurden zudem bei einer Durchsuchung von Gabrieles Haus ein Scheck an den Papst in Höhe von 100.000 Euro, ein Gold-Nugget und ein Buch aus dem 16. Jahrhundert gefunden. Gabriele habe erklärt, er habe die Gegenstände zurückgeben wollen.

Bei dem zweiten Beschuldigten handelt es sich um einen Informatiker und engen Freund von Gabriele. Der Mitarbeiter des Staatssekretariats wurde nach Angaben des Vatikans von seinen Aufgaben vorübergehend beurlaubt. Bei einer Verurteilung dürfte er nur eine geringe Strafe bekommen, sagte ein Vatikan-Sprecher.

Dem 46-jährigen Gabriele, der verheiratet ist und drei Kinder hat, drohen bis zu sechs Jahre Haft in einem italienischen Gefängnis. Das Verfahren dürfte nicht vor Ende September beginnen. Ein Sprecher des Vatikans sagte, als Oberhaupt des Kirchenstaates könnte der Papst jederzeit das Verfahren anhalten oder Gabriele begnadigen. Dies würde jedoch vermutlich nicht vor dem Verfahren geschehen. Der Fall hat ein großes Medieninteresse ausgelöst. In Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks wird er allgemein „Vatileaks“ genannt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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