Venezuela: Ausschreitungen bei Protesten gegen Wahlausgang

Venezuela
Ausschreitungen bei Protesten gegen Wahlausgang

Die Stimmen, die den Wahlsieg des Sozialisten Nicolas Madura anzweifeln, werden immer lauter. Auch die USA fordern eine Neuauszählung der Stimmen. Anleger ließen aufgrund des Wahlergebnisses Vorsicht walten.
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CaracasBei Protesten gegen den Sieg des Chávez-Vertrauten Nicolas Maduro bei der Präsidentenwahl in Venezuela ist es in der Hauptstadt Caracas zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten am Montag Tränengas ein, während sie mit Steinen und Stöcken angegriffen wurden. Die Demonstranten warfen den regierenden Sozialisten Wahlbetrug vor und forderten eine Neuauszählung der Stimmen.

Der bei der Wahl am Sonntag knapp unterlegene Oppositionsführer Henrique Capriles hatte das Ergebnis nicht anerkannt und seine Anhänger zu Protesten aufgerufen. Der vom vor sechs Wochen verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez noch zu Lebzeiten zum Wunschnachfolger ernannte Maduro kam nach offiziellen Angaben auf knapp 51 Prozent der Stimmen.

Capriles sprach von einer Staatskrise und erklärte, eigene Zählungen der Opposition hätten ergeben, dass Maduro die Wahl verloren habe. Er forderte daher die Wahlkommission auf, die Veranstaltung abzusagen, auf der Maduro offiziell zum Wahlsieger ausgerufen werden soll. Andernfalls werde er seine Anhänger für Dienstag zu einem friedlichen Protestmarsch aufrufen und auf eine Neuauszählung bestehen.

Trotz der Proteste der Opposition hat der Nationale Wahlrat (CNE) Maduro zum gewählten Präsidenten des Landes erklärt. CNE-Präsidentin Tibisay Lucena überreichte dem 50-Jährigen einen Tag nach der Wahl eine entsprechende Urkunde.

Venezolanische Staatsanleihen fielen im Nachhinein der Wahl so stark wie seit zwei Monaten nicht mehr, während das Kreditausfallrisiko stieg. Dollar-Bonds mit Fälligkeitsdatum 2027 fielen um 2,6 Cent auf 98,11 Cent zum Dollar - der größte Rutsch seit dem 12. Februar. Anleger sorgten sich, dass das Land durch Maduros knappen Sieg weniger stabil werden könnte.

Die USA reagierten zurückhaltend auf den Ausgang der Präsidentenwahl. Regierungssprecher Jay Carney schloss sich der Forderung der knapp unterlegenen Opposition nach Nachzählung der Wahlergebnisse an. Dies wäre ein kluger und notwendiger Schritt, sagte er am Montag vor Journalisten im Weißen Haus. Voreilige Schritte ließen sich nicht vereinbaren mit den Erwartungen des Volkes nach einem klaren und demokratischen Ergebnis.

Auf die Frage, ob das Wahlergebnis die Chance zu einem Neustart der bisher schwierigen Beziehungen mit Venezuela biete, antwortete Carney demonstrativ ausweichend. „Ich möchte der Entwicklung nicht vorausgreifen.“

Der Iran beglückwünschte Maduro. Dessen Wahlsieg liege im „Trend einer beständigen Suche nach einer neuen und gerechten Weltordnung“, schrieb Präsident Mahmud Ahmadinedschad laut der Nachrichtenagentur Fars an Maduro. Teheran sei bereit, die Beziehungen zu Venezuela auszubauen, schrieb Ahmadinedschad, ein alter Chávez-Verbündeter.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Man muss wirklich Idiot sein wenn man glaubt, dass die Amis sich für das Öl aus Venezuela interessieren. Die haben jetzt viele andere Möglichkeiten Öl zu bekommen. Tatsache: PDVSA ist einer den schlechtesten Erdöl Unternehmer der Welt der weniger als 2 Mio. Barrels am Tag produzieren, die können noch nicht mal den internen Kraftstoffbedarf decken. Trotz alle Drohungen, Venezuela ist immer noch abhängig von den Erdöl- Exporten nach den USA. Chavez hat NIE die Lieferungen nach dem „Imperium“ gestoppt (pura paja y pura bulla!!) Es ist lächerlich zu sagen dass diese Regierung als "sozialdemokratisch" bezeichnet werden kann: wenn man nicht zum PSUV (Regierungspartei) gehört, bekommt man keine Arbeit in allen "entnommen" Unternehmen. Das ist nicht Sozialismus...das ist Kommunismus

  • Es ist bei Venezolanern die sich nach der Machtuebernahme durch das Chaves Regime vor 15 Jahren im Ausland eine neue Existenz aufbauen mussten seit laengerem bekannt dass Ihre Stimme zu gunsten des Chavez regimes manipuliert wurde.
    Die all zu eindeutigen Wahlresultate welche Chavez zum Teil mit den Stimmen der durch seine Partei eingebuergerten kolumbianischen Guerillas, Drogenkartellmitgliedern und kubanischen Castroanhaengern erzielte, liessen kaum eine Chance auf ein anderes Resultat als den Sieg von Chavez.
    Zur Zeit sind alle im Ausland lebenden Venezolaner aufgerufen, zu pruefen, ob sie trotz keiner Moeglichkeit (Sie wurde den Opositionssympatisanten untersagt) ihre Stimme abzugeben, mit dem Vermerk... hat sene Stimme abgegeben ...im online Portal des CNE aufgelistet sind, davon einen print screen auszudrucken und eine Kopie an die UNO zu senden.

  • Ob es zu Wahlbetrug gekommen ist sei mal dahingestellt. Was ich aber bestätigen kann ist, dass es zumindest keinen gerechten Wahlkampf gegeben hat. Ich war die vergangenen zwei Wochen in Venezuela und die Propagandamaschine was stets in vollem Gange und zwar lediglich in eine Richtung. Wer die Medien beherrscht gewinnt auch Wahlen, das hat dann mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.

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