Venezuela
Kranker Chávez kommt überraschend nach Hause

Über Twitter hat Venezuelas Staatschef Hugo Chávez die Kunde verbreitet: „Wir sind zurück im venezolanischen Vaterland“. Der Krebskranke will sich nun in der Heimat behandeln lassen – nachdem er zuletzt auf Kuba war.
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CaracasMehr als zwei Monate war er abwesend – doch nun hat sich der an Krebs erkrankte venezolanische Staatschef Hugo Chávez überraschend in seiner Heimat zurückgemeldet. „Wir sind zurück im venezolanischen Vaterland“, schrieb Chávez am Montag über Twitter. Nach Angaben seines Schwiegersohns, Wissenschaftsminister Jorge Arreaza, wurde Chávez nach der Rückkehr aus Kuba zur weiteren Behandlung in ein Militärkrankenhaus gebracht.

„Danke Gott, danke dem geliebten Volk, wir werden die Behandlung hier fortsetzen“, schrieb Chávez. Zugleich dankte er dem einstigen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro und dessen Bruder, Staatschef Raúl Castro, für die Unterstützung während seines Aufenthalts in Kuba. Chávez betonte, er vertraue „auf Jesus Christus und auf meine Ärzte und Krankenschwestern“.

Fidel Castro erklärte laut der amtlichen kubanischen Nachrichtenagentur, er sei froh, dass „ein langes und banges Warten“ für die Venezolaner nun ein Ende habe. Dies sei auf die „körperliche Stärke“ Chávez' und die „völlige Hingabe“ der kubanischen Ärzte zurückzuführen.

Nach Angaben des Präsidenten der venezolanischen Nationalversammlung, Diosdado Cabello, landete die Maschine mit Chávez gegen 2 Uhr nachts Ortszeit in der Hauptstadt Caracas. Entgegen der Tradition zeigte das Staatsfernsehen keine Bilder von der Rückkehr des Präsidenten. Vize-Präsident Nicolas Maduro sagte im Staatsfernsehen, Chávez sei in Begleitung seines gesamten Ärzteteams aus Kuba zurückgekehrt. Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand des Staatschefs gab es zunächst nicht, Maduro kündigte dies aber für die kommenden Tage an.

Nach mehr als zwei Monaten Abwesenheit und keinerlei Verlautbarungen war Chávez am Freitag erstmals wieder auf von der Regierung veröffentlichten Fotos zu sehen. Darauf wurde der sozialistische Präsident lächelnd in seinem Krankenhausbett in Kubas Hauptstadt Havanna gezeigt. Kommunikationsminister Ernesto Villegas hatte dazu erklärt, dass Chávez nach einer schweren Lungeninfektion noch immer Atemprobleme habe und derzeit über einen Luftröhrenschnitt beatmet werde.

Arreaza hatte zu diesem Zeitpunkt eingeräumt, dass Chávez' Genesung nur langsam vorankomme und sich der Präsident einer „harten Therapie“ unterziehen müsse, die möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge habe. Bis zur Heilung sei es noch eine Weile hin.

Chávez war im Dezember zum vierten Mal zur Krebsbehandlung nach Kuba gereist und wurde seitdem dort behandelt. Seither meldete er sich nicht mehr zu Wort, keinem Staatschef, der sich zu Besuch in Kuba aufhielt, wurde Zugang zu ihm gewährt. In Venezuela und im Ausland hatte es deshalb zahlreiche Spekulationen über den Gesundheitszustand des Präsidenten gegeben. Die venezolanischen Behörden gaben nur hin und wieder kurze Mitteilungen zum Zustand Chávez' heraus.

Chávez ist seit 1999 an der Macht. Seine Krebserkrankung wurde 2011 diagnostiziert, der Präsident bezeichnete sich nach den ersten Behandlungen als geheilt. Im Oktober wurde er wiedergewählt, konnte wegen der erneut ausgebrochenen Erkrankung jedoch am 10. Januar nicht den Eid für seine neue Amtszeit ablegen. Die venezolanische Opposition warf der Regierung zuletzt immer wieder vor, Lügen über Chávez' Gesundheitszustand zu verbreiten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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