Venezuela ordert Waffen in Russland
Chavez auf Shopping-Tour in Moskau

Der venezolanische Präsident und US-Kritiker Hugo Chavez hat in Russland weitere Waffenkäufe angekündigt und mit Dmitrij Medwedjew eine enge Energie-Partnerschaft vereinbart. Doch den Kreml freut die Charmeoffensive nur bedingt.

MOSKAU/SÃO PAULO. Besucher des Kalaschnikow-Werkes im russischen Ischewsk kommen an seinen Bildern nicht vorbei. Die Fotos von Hugo Chavez hängen in den Treppenaufgängen und Fluren, die Venezuelas Staatschef bei einem seiner Russland-Besuche durchschritten hat. Keine Frage, Chavez ist ein guter Kunde, der auch einen Blick auf das werfen will, was er da kauft. Auf einer seiner Shopping-Touren durch Russlands Waffenarsenal orderte er unter anderem 100 000 Exemplare des berühmtesten Schnellfeuergewehrs der Welt und zwei Fabriken, um die Waffe zu Hause bauen zu lassen.

Jetzt ist Chavez wieder da - doch die russische Führung weiß nicht recht, ob sie sich über die mehrtägige Visite wirklich freuen soll. Auffällig wenige Journalisten ließ der Kreml zur Akkreditierung zu - angeblich wegen Platzproblemen in der Präsidenten-Residenz Schloss Maiendorf. Doch offenbar ist Moskau der linke Populist aus Lateinamerika nicht mehr so geheuer. Als "kontrovers" bezeichneten Kremlkreise Chavez inzwischen, heißt es in russischen Medien. Der neue Präsident Dmitrij Medwedjew, dem Chavez schöne Grüße von Fidel Castro ausrichten ließ, schlägt außenpolitisch gemäßigtere Töne an. Der Polit-Rüpel und Amerika-Feind aus Venezuela passt da nicht so gut ins Bild. Sein Besuch soll nicht so hoch hängen.

Die Beziehungen abkühlen möchte Russland aber auch nicht: Rund 4,4 Mrd. Dollar hat der Lateinamerikaner seit 2003 für russische Waffen ausgegeben; und das in einer Zeit, in der traditionelle Kunden wie Indien oder Algerien Russland den Rücken kehren - unter anderem wegen Qualitätsmängeln der russischen Waffensysteme. Chavez will bei seinem Besuch angeblich mehr als eine Mrd. Dollar in Russland lassen und dafür unter anderem das Luftabwehrsystem Tor-M1 und U-Boote der Kilo-Klasse mit nach Hause nehmen. Sein Aufrüstungsprogramm begründet er vor allem mit der "militärischen Bedrohung" durch die Vereinigten Staaten.

Die Zeitung "Kommersant" berichtet, der Venezolaner habe aber vor allem Interesse an kleinerem Gerät: Scharfschützengewehren und mobilen Raketenwerfern. Was den Russen offenbar Probleme bereitet: Sie fürchten, dass Chavez die Waffen an Rebellengruppen wie die Farc in Kolumbien weiterreicht, was die Beziehungen zu den USA nicht weiter aufwärmen dürfte.

Kurz bevor Chavez nach Moskau aufbrach, hatte ein Hubschrauber-Absturz in Bolivien für Gesprächsstoff gesorgt: Der Helikopter stammte aus venezolanischen Beständen. "Warum verleiht unsere Regierung militärisches Gerät an andere Staaten, ohne dass die Bevölkerung informiert wird", fragte prompt der Oppositionspolitiker Luis Carlos Solórzano.

Für Aufsehen sorgte gleichfalls das Notebook eines getöteten Guerilla-Führers: Kolumbianische Militärs fanden auf dem Rechner vor zwei Monaten Beweise dafür, dass Chavez der Linksguerilla Farc logistisch und finanziell unter die Arme greift. Ob es auch zu Waffenlieferungen gekommen ist, bleibt offen. Seitdem Chavez in Ischwesk aber die Kalaschnikows orderte, sorgen sich benachbarte Regierungen etwa in Brasilien, Kolumbien, aber auch Guyana, dass der Mann, der die Region mit dem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" beglücken will, damit seine Alliierten ausrüsten könnte.

Dennoch: "Venezuela ist ein ziemlich wichtiger Partner für Russland in Südamerika", sagt Dmitrij Peskow, der Sprecher von Regierungschef Wladimir Putin, den Chavez auch sprechen will, bevor er dann zum weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko weiterreist. Russland, so Peskow, habe ehrgeizige Pläne für den venezolanischen Markt.

Moskau will weg vom Status des Waffenlieferanten und die Beziehungen ausweiten. Daher setzen die Russen vor allem auf die Kooperation in den Bereichen Industrie und Energie: Lukoil, TNK-BP und Gazprom unterzeichneten gestern Verträge. Auch der Alu-Konzern Rusal würde in Venezuela gerne ein Werk bauen. Da die Regierung in Caracas in den vergangenen Jahren zahlreiche westliche Ölkonzerne mit erhöhten Abgaben und verschlechterten Förderbedingungen aus dem Land vertrieben hat, dürften die neuen Investoren warm empfangen werden.

Unklar blieben Chavez? Pläne, mit den Russen eine gemeinsame Bank zu gründen. Die Partner in Moskau sehen bisher noch nicht den Sinn dieses Vorhabens.

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