Venezuela
Prima leben wie in Kuba

Zum dritten Mal ist Hugo Chávez als Präsident Venezuales wiedergewählt werden. Seit er regiert, geht es vielen Venezolanern in den Armenvierteln besser. Ihnen schanzt der populistische Präsident aus den üppigen Öleinnahmen finanzierte Wohltaten zu. Die Mittelklasse Venezuelas bekommt nichts ab – Hugo Chávez spaltet sein Land.

CARACAS. Juan Carlos ist in seinem Element. Der korpulente Mann steht in der Eingangshalle seiner Kooperative, fuchtelt mit den Armen und zeigt auf die Chávez-Porträts an der Wand. „Chávez ist überall, wir verehren ihn, ihm haben wir unsere Existenz zu verdanken“, schwärmt der 23-Jährige und streicht sich die langen Rastazöpfe hinter die Schulter.

Mit Unterstützung der Regierung hat Juan Carlos eine sozialistische Kooperative in einem nördlichen Viertel von Caracas aufgebaut. Um zu lernen, hat ihn sein Präsident Hugo Chávez sogar für zwei Monate nach Kuba geschickt. Nun ist Juan Carlos Chef von etwa 40 Mitarbeitern. Sie halten in ihrem Stadtteil die Straßen sauber.

Juan Carlos ist „Chavist“ und deshalb begeistert vom Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Venezuela am vergangenen Sonntag. Sein Hugo Chávez ist mit 62,5 Prozent der Stimmen zum dritten Mal wiedergewählt worden. Der Herausforderer, der Sozialdemokrat Manuel Rosales, kam nur auf 37,2 Prozent der Stimmen.

Der Mann von der Kooperative hat allen Grund, sich über das Ergebnis zu freuen. Seit Chávez regiert, geht es ihm besser, wie vielen Venezolanern in den Armenvierteln. Ihnen schanzt der populistische Präsident aus den üppigen Öleinnahmen finanzierte Wohltaten zu. Die Mittelklasse Venezuelas bekommt nichts ab – Hugo Chávez spaltet sein Land.

Joseline und Isaac können über den Eifer von Juan Carlos nur den Kopf schütteln. Die beiden frisch Verheirateten, 27 und 29 Jahre alt, leben nur ein paar Kilometer Luftlinie von ihm entfernt im Mittelklasse-Stadtteil Chacao. Die Straßen sind sauber, die Gebäude erinnern an die City einer amerikanischen Großstadt.

Das Pärchen sitzt in einer Fast-Food-Filiale und schimpft über den Präsidenten. „Wir haben eine Regierung für die Armen, aber keine für die Mittel- und die Oberklasse. Das Land ist tief geteilt“, sagt Joseline und nippt an ihrem Cappuccino.

Chávez scheint die Mittelklasse, die ihm 1998 noch zu seinem ersten Wahlsieg verholfen hatte, vergessen zu haben. Er beschimpft sie lieber in seinen Reden und schlägt sich ganz auf die Seite der Ärmsten im Land. Ihnen – und nur ihnen – verspricht er eine bessere Zukunft.

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