Venezuelas Präsident
Chávez droht Kolumbien mit Krieg

Venezuela reagiert auf ein neues Militärabkommen zwischen den USA und Kolumbien mit Säbelrasseln. In seiner sonntäglichen Fernsehsendung „Aló Presidente“ drohte Präsident Hugo Chávez mit der Mobilmachung gegen den südamerikanischen Nachbarn. Allerdings steckt dahinter eher der Versuch, von den zunehmenden Problemen im eigenen Land abzulenken.

SAO PAULO. Die Verteidigung des Vaterlandes sei eine heilige Pflicht, sagte Chávez: „Keinen Tag werden wir bei unserer Vorbereitung auf den Krieg verlieren.“ Kolumbien will nun den Uno-Sicherheitsrat anrufen. Die Regierung in Bogotá hatte zuvor ein Militärabkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet. Die nordamerikanischen Militärs verstärken damit ihre Präsenz im Nachbarland Venezuelas. Seit Jahresmitte haben Caracas und Bogotá ihre diplomatischen Beziehungen auf Eis gelegt.

Hintergrund für Chávez' verbale Mobilmachung dürfte jedoch der Versuch sein, von den zunehmenden Problemen im eigenen Land abzulenken: So leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas seit Wochen unter Strom- und Wasserausfällen. Die größte Trockenheit seit 40 Jahren führt zu ständigen Blackouts in Caracas. Seit langem investieren die Versorger nicht mehr, so dass der Mangel chronisch bleiben dürfte.

Embargo schadet der Wirtschaft

Zudem leiden die Venezolaner unter dem Embargo auf Importe aus Kolumbien. Das Nachbarland ist der wichtigste Lieferant von Lebensmitteln und Konsumgütern. Zahlreiche venezolanische Konzerne haben sich wegen Chávez´ unternehmerfeindlicher Politik und der Verstaatlichungen ins Nachbarland geflüchtet – und müssen jetzt ihre Produktionen stilllegen und Mitarbeiter entlassen, weil der wichtigste Absatzmarkt verschlossen ist. Das Embargo schadet beiden Staaten.

Dabei leidet Venezuelas Wirtschaft schon jetzt unter einer Stagflation: Die Wirtschaft wird dieses Jahr um zwei Prozent schrumpfen – bei einer Inflation von rund 30 Prozent. Weil Chávez jedoch ein knappes Jahr vor den nächsten Kongresswahlen einen Popularitätsverlust verhindern will, zapft er seit Monaten neue Finanzquellen im Ausland an: Rund elf Mrd. Dollar hat der staatliche Ölkonzern PdVSA im zweiten Halbjahr am Anleihenmarkt aufgenommen – und seine Verschuldung damit verdoppelt.

„Chávez nutzt die günstige Gelegenheit auf den liquiden internationalen Finanzmärkten“, heißt es bei Investmentbankern. Sie warnen jedoch, dass sich Venezuela zu schnell zu hoch verschuldet habe. „Es steigen die Zweifel an Venezuelas langfristiger Zahlungsfähigkeit.“

Auch gegenüber ausländischen Ölkonzernen gibt sich Chávez plötzlich versöhnlich: Nach zehn Jahren Pause will Venezuela bis Ende Januar sieben Ölblocks im Orinoco-Gebiet ausschreiben. 19 Ölmultis haben sich für die Auktion beworben – obwohl viele von ihnen in den vergangenen Jahren den wichtigsten Öllieferanten der westlichen Hemisphäre wegen staatlicher Gängelungen verlassen haben.

Zugeständnisse an Ölkonzerne

Doch Venezuelas Öl- und Energieminister Rafael Ramírez hat verkündet, die Regierung wolle den Konzernen entgegenkommen und etwa die Lizenzlaufzeiten verlängern. Auch soll der Internationale Gerichtshof als oberstes Forum für Streitigkeiten über Lizenzen wieder gesetzlich zugelassen werden. „Die Regierung zeigt sich den Sorgen der Industrie gegenüber erstmals offen“, lobt Alí Moshiri von Chevron.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%