Verärgerung in Deutschland: Polen schlägt deutsche Hilfe bei Gasversorgung aus

Verärgerung in Deutschland
Polen schlägt deutsche Hilfe bei Gasversorgung aus

Trotz der Angst vor einem russischen Gasboykott hat Polen in den vergangenen Monaten gleich mehrere Angebote aus Deutschland ausgeschlagen, die Gasabhängigkeit von Russland zu verringern. Auf deutscher Seite wächst die Frustration, weil man die polnischen Sorgen durchaus ernst genommen hat.

BERLIN. Trotz der Angst vor einem russischen Gasboykott hat Polen in den vergangenen Monaten gleich mehrere Angebote aus Deutschland ausgeschlagen, die Gasabhängigkeit von Russland zu verringern. Die Energiekonzerne VNG, Wintershall AG sowie die Bundesregierung haben der polnischen Seite seit 2000 nach Informationen des Handelsblattes mindestens vier Varianten angeboten, wie Polen ständig oder auch im Notfall Gas aus Deutschland beziehen kann. Zuletzt hat der staatliche polnische Gaskonzern PGNiG im Oktober 2006 Gespräche abgesagt. Seither herrscht Funkstille.

Auf dem Tisch lagen dabei konkrete Planungen für den Bau von Pipeline-Verbindungen über Greifswald nach Polen, von Bernau nach Stettin sowie eine Stromumkehr der „Jamal“–Pipeline, mit der Gas im Notfall von West nach Ost gepumpt werden könnte. Zudem wurde sowohl der polnischen Regierung als auch der PGNiG angeboten, im Fall einer russischen Lieferunterbrechung Gas aus deutschen Speichern über eine bereits existierende Pipeline bei Lasow nach Polen zu pumpen.

„Leider hat die polnische Seite bisher alle Gespräche im Sande verlaufen lassen“, sagte Chef des ostdeutschen Energie- und Gasversorgers VNG, Klaus-Ewald Holst dem Handelsblatt. Auch in der Bundesregierung ist man unzufrieden. „Statt eine Lösung zu suchen, wird die polnische Regierung auf dem EU-Gipfel im März wohl wieder die Sorge vor einem russischen Boykott an die Wand malen“, heißt es in Regierungskreisen in Berlin. Warschau lehnt die geplante Gas-Pipeline durch die Ostsee vehement ab und fordert eine „Energie-Nato“, weil sie die Versorgungssicherheit Polens gefährdet sieht.

Auf deutscher Seite wächst die Frustration, weil man die polnischen Sorgen durchaus ernst genommen hat. „Man sollte nicht vergessen, dass die Gaslieferung durch die „Jamal“–Pipeline bereits am 8. Dezember 2004 kurz unterbrochen wurde“, betont auch VNG-Chef Holst. Bereits bei ihrem Antrittsbesuch in Warschau hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Dezember 2005 Polen deshalb eine Abzweigung von der Ostsee-Pipeline über Greifswald angeboten. Darauf war Warschau nie eingegangen.

„Auf unsere Initiative hin hat dann im April 2006 eine Arbeitsgruppe mit der PGNiG zu anderen Alternativen getagt“, sagte Holst. Eine für Oktober geplante Sitzung sagten die Polen jedoch ab. „Ich kann nichts dafür, dass in Polen niemand Interesse zeigt“, mokierte sich Merkel Mitte Januar in der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“.

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