Veraltete Technik
Russland träumt von militärischer Größe

Russland spannt seine Muskeln. Sei es die Aufnahme von Bomber-Flügen in der Nähe von US-Stützpunkten im Pazifik oder die Ankündigung, einen Flottenstützpunkt im Mittelmeer eröffnen zu wollen. Die Botschaft ist klar: Mit der russischen Armee ist wieder zu rechnen. Die Technik jedoch ist veraltet.

MOSKAU. Russlands Führung nutzt nun das Treffen der Staatschefs der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), das heute im kirgisischen Bischkek beginnt, um seine militärischen Fähigkeiten zu demonstrieren. Die Mitgliedstaaten halten ein gemeinsames Manöver im Ural ab. Zu Wochenbeginn hatten bereits russische und chinesische Truppen dort geübt.

Die SCO-Gruppe, der neben Russland und China Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan angehören, entwickelt sich immer mehr zu einem Instrument, das den US-Einfluss in der rohstoffreichen Region eindämmen soll. Iran gehört zum US-Verdruss zu den Beobachterstaaten und drängt nun auf eine Vollmitgliedschaft. Ob sich China und Russland einen solchen Affront gegen die USA leisten wollen, gilt aber als unwahrscheinlich.

Dass es Russland ernst mit seinem Anspruch auf politische wie militärische Weltgeltung ist, macht auch der Betrag deutlich, den der Kreml in die Armee stecken will. Zwischen 2007 und 2015 will die Regierung rund 200 Mrd. Dollar in die Modernisierung des Militärs investieren. Der Chef der staatlichen Flugzeugholding UAC, Alexej Fjodow, hat große Pläne: „Bis 2025 werden wir 4 500 Flugzeuge im Wert von 250 Mrd. Dollar bauen.“ In gut 20 Jahren werde Russland jährlich allein 100 Kampfjets fertigstellen können. Russland ist bereits nach den USA der größte Waffenlieferant der Welt – 2006 belief sich der Export militärischer Güter auf gut acht Mrd. Dollar.

Der Rhetorik und den großen Summen stehen aber nur bescheidene Fortschritte bei der Modernisierung der Truppen gegenüber. Der Militärexperte Alexander Golz stellt zunehmende Unzufriedenheit in der Armee und bei den für die Beschaffung Verantwortlichen fest. Geld sei zwar vorhanden – doch die eigenen Ziele würden nicht erreicht. Heute basiere das Gros der Bewaffnung auf Technologien aus den 80er-Jahren.

So feilen Russland und Indien seit Jahren an der Vollendung und Modernisierung des Flugzeugträgers Admiral Gorschkow. Das Geld dafür wurde zwar von Indien bereitgestellt, die Arbeiten aber nicht ausgeführt. Auch der neue Multi-Kampfjet SU-34 dürfte noch Jahre von der Massenproduktion entfernt sein. Den allgemeinen Grund des Übels sieht Golz in explodierenden Produktionskosten. Das Problem: Den großen Rüstungsschmieden fehlt es an verlässlichen und innovativen Zulieferern und damit an hochwertigen Komponenten. Der Kreml versucht dem zu begegnen, indem er unter dem Dach von Staatsholdings ganze Industrien zusammenfasst wie zuletzt die Hersteller von Flugzeugtriebwerken.

Wie es um die Fähigkeiten der russischen Armee bestellt ist, weiß auch Hannes Adomeit von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP): Vor allem die Marine sei über Jahre völlig vernachlässigt worden. Die Pläne, nun auch noch einen Stützpunkt im Mittelmeer zu errichten, sieht er daher mit großer Skepsis. Dennoch können die russischen Rüster auch auf Fortschritte blicken. Die Entwicklung der Rakete Topol-M für die Nuklearstreitkräfte ist erfolgreich verlaufen – ein Bereich, in dem Russland um jeden Preis mit den USA auf Augenhöhe bleiben möchte. Auch im Flugzeugdesign seien die Russen gut, sagt Adomeit. Für „katastrophal“ im internationalen Vergleich hält der SWP-Experte aber nach wie vor die Einsatzfähigkeit der Armee: So erhalten Piloten nicht genügend Trainingsstunden, um ihre modernen Maschinen wirklich zu beherrschen.

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