Verantwortung übernehmen
Malta fordert EU-Hilfe für Mittelmeerflüchtlinge

Malta hat die anderen EU-Staaten zu mehr Hilfe bei der Aufnahme schiffbrüchiger afrikanischer Flüchtlinge aufgerufen. Jedes Jahr kämen mindestens 600 Menschen auf dem Seeweg von Libyen in die Europäische Union um, sagte Maltas Innenminister Tonio Borg am Rande eines Treffens der EU-Ressortchefs am Dienstag in Luxemburg.

HB LUXEMBURG. Angesichts der Flüchtlingsströme im Mittelmeer verlangt Malta eine Verteilung der Einwanderer über die gesamte EU. Dabei sollten große Staaten wie Deutschland besonders viel Verantwortung übernehmen, forderte der maltesische Innenminister Tonio Borg am Dienstagmorgen zum Auftakt eines Treffens mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. „Die Verteilung sollte auf Kriterien wie der Größe und Bevölkerungsstärke beruhen“, sagte Borg. Die EU müsse dringend handeln: „Die gegenwärtige Situation ist ein komplettes Chaos.“

Malta war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil die Regierung die Aufnahme schiffbrüchiger Flüchtlinge verweigerte, die in den Gewässern zwischen der Mittelmeerinsel und Libyen gerettet worden waren. Borg erklärte dazu, es könne Malta und anderen Mittelmeerländern nicht zugemutet werden, auch die außerhalb ihrer Hoheitsgewässer geretteten Flüchtlinge aufzunehmen. In einem solchen Fall sollten deshalb die Flüchtlinge „unter den 27 EU-Staaten verteilt werden“.

Bislang hätten andere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, der maltesischen Regierung in Einzelfällen zwar Flüchtlinge abgenommen, sagte Borg. „Wenn ich alle Einwanderer zusammenzähle, die von diesen Ländern übernommen wurden, sind das etwa 80.“ Malta habe in den vergangenen Jahren aber insgesamt 7 000 Bootsflüchtlinge aufgenommen. Gemessen an der Bevölkerung der Insel sei das so, als würde Deutschland 1,5 Millionen Flüchtlinge aufnehmen, sagte Borg.

Der maltesische Innenminister forderte zudem mehr Unterstützung für die Bootspatrouillen im Mittelmeer. „Jedes Jahr sterben 600 Einwanderer auf der Türschwelle Europas, vor den Küsten Tunesiens, Libyens, der Inseln Lampedusa, Sizilien und Malta“, sagte Borg. „Ich finde es unglaublich, dass wir vor den Toren Europas eine so tragische Situation erleben und nicht genug dagegen getan wird.“

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