Verbesserte Wirtschaftslage
Strom illegaler Flüchtlinge aus Marokko geht zurück

Die Zahl der illegalen Flüchtlinge aus Marokko nach Spanien geht erstmals seit langem zurück. Grund ist die verbesserte wirtschaftliche Situation in dem Maghreb-Staat. Sie hat den in der Vergangenheit ständig gewachsenen Flüchtlingsstrom eingedämmt.

MADRID. In diesem Jahr dürfte die marokkanische Wirtschaft nach Schätzungen der Regierung um sieben Prozent wachsen nach einem nur geringen Anstieg in den vergangenen Jahren.

Diese positive Entwicklung ist vor allem auch auf die starken Regenfälle in den ersten Monaten dieses Jahres zurückzuführen. Sie ermöglichten bessere Ernten. Die 30 Millionen Marokkaner arbeiten immer noch mehrheitlich in der Landwirtschaft. Wegen der geringen Produktivität erwirtschaftet sie jedoch nur 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

„Die Menschen haben in diesem Jahr Arbeit zuhause gefunden“, sagt Khalid Zérouali, Direktor für Migration im marokkanischen Innenministerium dem Handelsblatt. Er glaubt jedoch, dass auch die strengeren Grenz- und Seekontrollen dazu beigetragen haben, dass in diesem Jahr weniger seiner Landsleute nach Europa geflüchtet seien: „Wir konnten die illegalen Fluchtversuche über die Meerenge von Gibraltar im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent senken.“ Die stabilere wirtschaftliche Situation in Marokko habe allerdings auch Hilfesuchende aus wesentlich ärmeren südlicheren Ländern wie Mauretanien, Senegal und Mali angezogen, die versuchten, in Marokko als Saisonarbeiter auf dem Feld zu arbeiten. Die Grenzüberwachung im südlichen Wüstengebiet sei schwieriger.

„Dass diese Afrikaner jetzt hier auf den Arbeitsmarkt drängen, ärgert viele Marokkaner. Sie behandeln die Schwarzafrikaner teilweise wirklich schlecht“, heißt es in diplomatischen Kreisen in Rabat. Denn ein Fünftel der erwerbsfähigen Bevölkerung im Land selbst ist ohne Job. Fünf Millionen Marokkaner leben zudem in absoluter Armut und 48 Prozent der Bevölkerung kann noch immer nicht lesen und schreiben. „Marokko ist dennoch wegen seiner politischen Stabilität und den besseren wirtschaftlichen Aussichten auf dem Weg, ein Einwanderungs- und nicht mehr nur Transitland für afrikanische Auswanderer nach Europa zu werden“, sagt Zérouali. Der in den USA ausgebildete Luftfahrtingenieur rechnet damit, dass auch die kommenden Jahre ein Wachstum um die sieben Prozent bringen werden.

Seite 1:

Strom illegaler Flüchtlinge aus Marokko geht zurück

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%