Verbleib im Mausoleum Streit um Lenin zum Jubiläum der Oktoberrevolution

Soll der russische Revolutionsführer weiter im eigenen Mausoleum verbleiben oder beerdigt werden? Unter russischen Politikern gibt es Streit um die Zukunft von Lenins Leichnam.
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Russland: Streit um Lenin zum Jubiläum der Oktoberrevolution Quelle: dpa
Lenin im Mausoleum

Über den Verbleib des Leichnams gibt es Streit.

(Foto: dpa)

MoskauLenin empfängt nicht. Ausgerechnet am Jahrestag der Oktoberrevolution, dem 7. November, bleibt das Mausoleum mit den sterblichen Überresten des Sowjetgründers geschlossen. Die Parteiführung der russischen Kommunisten musste daher ihre Blumen zum Jubiläum schon ein paar Tage vorher vorbeibringen. Ironie des Schicksals: Der Zugang zum Bolschewikenführer ist wegen der Rekonstruktion einer Militärparade gesperrt, die 1941 auf dem Roten Platz zum Andenken an die Oktoberrevolution stattfand und für die Russen so etwas wie den moralischen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg (Schlacht um Moskau) darstellt. Die Revolution selbst hingegen wird heute nicht mehr gefeiert. Winkten die Generalsekretäre früher bei den Paraden vom Mausoleum aus, so versteckt es die heutige Kremlführung verschämt.

Schon vor Jahren hat der 4. November als „Tag der nationalen Einheit“ den Tag der Oktoberrevolution als Feiertag abgelöst. Ausgerechnet zum 100. Jubiläum der Revolution verschärft sich nun auch die Diskussion um die Zukunft ihres Anführers. Die Angriffe gegen einen weiteren Verbleib Lenins im Mausoleum an der Kremlmauer werden von einer breiten Koalition vorgetragen, die ansonsten wenig politische Gemeinsamkeiten aufweisen.

Als erste „belebte“ Xenia Sobtschak die Diskussion um den Leichnam: Die 36-Jährige, die für die liberale Opposition als Präsidentschaftskandidatin antreten will, erklärte im Falle ihres Wahlsiegs, als „erstes Zeichen“ Lenin umbetten zu wollen. Damit zog sie zwar den heiligen Zorn von Kommunistenführer Gennadi Sjuganow auf sich: „Jedwedes Gequatsche von Umbettung ist nichts anderes als der Versuch, auf dem Roten Platz, die Generationen gegeneinander aufzuhetzen und wohl Massenunruhen zu organisieren. Wir werden diese Machenschaften durchkreuzen und sie einfach von dort vertreiben“, drohte er.

Dafür jedoch bekam sie Rückendeckung von unerwarteter Seite: Ramsan Kadyrow, Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, erklärte wenige Tage später, die Frage müsse natürlich Wladimir Putin entscheiden. Aber seiner Meinung nach sei der Leichnam Lenins lange genug angegafft worden. „Es ist schon lange an der Zeit, den Revolutionsführer zu beerdigen. Das ist vernünftig und menschlich“, sagte Kadyrow.

Für eine Beerdigung votierten auch Populistenführer Wladimir Schirinowski und die ehemalige Staatsanwältin der Krim Natalja Poklonskaja. Es ist wohl der einzige Punkt, wo Liberale, autokratische Republikführer, Populisten und Monarchisten übereinstimmen. Bei Poklonskaja ist die Position immerhin konsequent: Sie hatte zuletzt als Abgeordnete der Kremlpartei „Einiges Russland“ versucht, den Film „Mathilda“ zu zensieren, weil dieser ihrer Ansicht nach das Image des heilig gesprochenen Zaren schädigte und damit die Gefühle der Gläubigen verletzte.

Innerhalb der russischen Bevölkerung ist die Stimmung aber längst nicht so eindeutig. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM nach sind 60 Prozent der Menschen prinzipiell für eine Beerdigung Lenins. Die Hälfte davon will allerdings die Beerdigung nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Zeit durchführen. Wie lange dieser Zeitraum sein soll, wurde nicht gefragt.

Auf Zeit spielt auch die Kremlführung. Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte, die Frage stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung. Die Chefin des Föderationsrates Valentina Matwijenko meinte, abschließend könne über die Frage nur ein Referendum entscheiden. Dieses verschob sie aber gleich auf einen unbestimmten Zeitpunkt:  Eine solche Volksabstimmung könne erst durchgeführt werden, wenn es einen gesellschaftlichen Konsens zu der Frage gebe, fügte sie nämlich hinzu.  

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