Verbot aufgehoben
Homo-Ehe ist in Kalifornien wieder erlaubt

Schwule und Lesben feiern in den USA einen weiteren Sieg: In Kalifornien dürfen gleichgeschlechtliche Paare wieder heiraten. Der US-Bundesstaat hat in Sachen Homo-Ehe eine Achterbahnfahrt hinter sich.
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Los AngelesEin Bundesberufungsgericht in San Francisco hat am Freitag das Verbot der Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare in Kalifornien mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Erst am Mittwoch hatte der Oberste US-Gerichtshof die Rechte von Schwulen und Lesben in den Vereinigten Staaten gestärkt. Die ersten Paare wollten noch am Freitag in Kalifornien heiraten.

Der Supreme Court hatte am Mittwoch ein Bundesgesetz gekippt, das nur traditionellen Ehen von Mann und Frau Vorteile bei Steuern und Erbschaften gewährte. Zudem wies er eine Klage von Gegnern der Homo-Ehe in Kalifornien ab.

In Sachen Homo-Ehe hat Kalifornien eine Achterbahnfahrt hinter sich. 2004 gab der Bürgermeister von San Francisco Schwulen und Lesben grünes Licht zu heiraten. Mehr als 4000 Paare ließen sich trauen. Dann verhängte ein Richter einen sofortigen Stopp gegen die Regelung. Im Mai 2008 stimmten die obersten Richter des Staates der Homo-Ehe zu, Kalifornien war damals der zweite US-Staat nach Massachusetts, in dem das zugelassen wurde. Bis November 2008 wurden 18 000 Ehen geschlossen, dann stellten sich Kaliforniens Wähler mit 52 Prozent der Stimmen dagegen. Seitdem ging der Streit durch die Instanzen.

Mit der Aufhebung des Verbots war gerechnet worden, allerdings nicht so rasch. Behördenvertreter, darunter Kaliforniens Generalstaatsanwältin Kamala Harris, hatten aber auf eine sofortige Aufhebung des Verbots gedrungen. In einer Erklärung würdigte Harris am Freitag die Entscheidung des Gerichts. "Schwule und lesbische Paare haben so lange auf diesen Tag gewartet und auf ihr Grundrecht zu Heiraten. Endlich sind ihre Liebesbeziehungen genau so legitim und legal wie jede andere."

Im Kurznachrichtendienst Twitter kündigte Harris an, sie sei auf dem Weg, um das lesbische Paar Kristin Perry und Sandra Stier zu trauen. "Auf dem Weg zum Rathaus von S.F. (San Francisco)", twitterte sie. "Lasst die Hochzeitsglocken klingeln." Das Paar hatte gegen das Verbot der Homo-Ehe geklagt.

Ein schwules Paar meldete wenige Minuten nach der Urteilsverkündung ebenfalls seine sofortige Eheschließung an. Paul Katami und Jeff Zarrillo, die ebenfalls zu gegen das Verbot der Homo-Ehe in Kalifornien geklagt hatten, kündigten an, sie würden noch am Freitagabend im Rathaus von Los Angeles heiraten.

Die Vereinigten Staaten gleichen bei der Homo-Ehe einem rechtlichen Flickenteppich. Zwölf der 50 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington haben die Homo-Ehe legalisiert. Außerdem gibt es Modelle, die der eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland ähneln. Dagegen haben mehr als 30 Bundesstaaten Ehen von Schwulen und Lesben ausdrücklich untersagt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • im Absatz 2 muss es heißen: "... im Priesteramt, wo ein vergleichsweise großer prozentualer Anteil homosexuell ist ..."


  • Mittlerweile haben die meisten zivilisierten Staaten (ich rede hier also nicht von den Staaten, in denen man eine Frau im Tausch gegen 3 Ziegen bekommt) die Rechte der verpartnerten Schwulen und Lesben an die Rechte der "Ehe" angepasst ... und das ist gut so.
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    Bei uns wehren sich noch die von römisch-katholischen Moralvorstellungen geprägten Erz-Konservativen, obwohl gerade im Priesteramt der größte prozentuale Anteil von Homosexuellen aktiv tätig ist.
    *
    Daher werden die CDU/CSU vom BVerfG vor sich her getrieben, die Gleichstellung nach dem Vorbild anderer zivilisierter Staaten umzusetzen.

  • Warum müssen verheiratete Paare überhaupt steuerliche Vorteile geniesen?

    Der Grund liegt doch darin, dass früher einer Ehe moralisch unabdingbar war, um Kinder groß zu ziehen. Na - klingels?

    Also müssten die Steuervorteile gesetzlich ohne Ansehen der Lebensverhältnisse mit den Kindern verknüpft werden. Denn welchen Nutzen haben Paare für den Staat? Keinen. Die Gesellschaft braucht Kinder - sonst stirbt sie aus.

    Die gesetzgebenden Parteien müssen überlieferte Moralvorstellungen übergehen und die gesellschaftlichen Ziele direkt begünstigen. Also nicht Lebensgemeinschaften begünstigen - sondern Kinder.

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