„Verdeckter Geheimdienstkrieg“
Waffenruhe im Südlibanon ist in Gefahr

Israel nimmt ungeachtet der im Libanon-Krieg verkündeten Waffenruhe den Kampf gegen die Hisbollah offenbar weiter in die eigene Hand. Die Sorge vor einer neuen Eskalation wächst. Israelische Medien sprechen bereits von einem „verdeckten Geheimdienstkrieg“. UN-Generalsekretär Kofi Annan ist „tief betroffen“.

HB BEIRUT/BERLIN. Die israelische Armee hatte am Samstagmorgen mit Unterstützung aus der Luft das Büro eines hochrangigen Vertreters der radikal-schiitischen Hisbollah im Osten Libanons angegriffen. Israel erklärte, der Einsatz habe der Selbstverteidigung gedient und das Ziel gehabt, Waffenlieferungen an die Hisbollah aus Syrien und Iran zu verhindern.

Annan warf Israel vor, die am Montag vergangener Woche eingesetzte Waffenruhe verletzt zu haben. Neben dem Militäreinsatz im Ost-Libanon hätten UN-Friedenssoldaten von weiteren Verletzungen des Luftraums durch die israelische Luftwaffe berichtet, erklärte Annan. Diese Verstöße gefährdeten die Waffenruhe und beschädigten die Souveränität der libanesischen Regierung. Augenzeugen und libanesische Sicherheitskreise berichteten am Sonntag, israelische Kampfflugzeuge seien praktisch über dem ganzen Land in großer Höhe unterwegs.

Der libanesische Regierungschef Fuad Siniora warf Israel eine „offene Verletzung“ der Waffenruhe vor. Verteidigungsminister Elias al-Murr drohte, seine Regierung könne die Stationierung des Militärs im Süden des Landes stoppen, wenn Israel weitere vergleichbare Aktionen durchführe. Al-Murr kündigte aber auch ein hartes Durchgreifen gegen Versuche der Hisbollah an, den Waffenstillstand zu brechen. Die Armee kontrolliere mittlerweile die ganze Grenze zu Syrien und werde unnachgiebig gegen den Waffenschmuggel vorgehen.

Der UN-Sondergesandter Roed-Larsen betonte indes, falls die Hisbollah tatsächlich Waffen in den Libanon geschmuggelt hätte, wäre auch dies ein Verstoß gegen die Waffenruhe. Angesichts der fragilen Lage forderte er beide Seiten zu äußerster Zurückhaltung auf.

Israel bezifferte die Zahl der in dem 34-tägigen Krieg getöteten Hisbollah-Kämpfer mit 530 - fünf Mal so hoch wie von der Miliz selbst angegeben. Am Samstag wurden landesweit 54 Hisbollah-Kämpfer beerdigt und damit so viele wie an keinem Tag zuvor.

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