Vereinte Nationen
Hilflos, schutzlos, nutzlos

Für die Vereinten Nationen geht ein Jahr voller Skandale und verheerender Schlappen zu Ende: Weder im Kampf für Frieden- und Menschenrechte, noch im Kampf gegen Armut, Hunger und Umweltzerstörung konnte die Uno im Jahr 2009 Erfolge verbuchen. Die geschwächte Organisation setzt auf Durchhalteparolen – 2010 könne nur besser werden.
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GENF. Die Mörder hatten eine klare Botschaft: Die Vereinten Nationen sollen aus Afghanistan verschwinden. Am 28. Oktober attackierten Taliban ein internationales Gästehaus in Kabul; der Angriff geht als einer der schwersten in die Uno-Historie ein: Fünf Mitarbeiter getötet und viele verletzt. Rasch gab Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon formelhafte Durchhalteparolen aus: „Wir stehen den Menschen in Afghanistan bei, und das werden wir auch morgen tun.“ Die Uno-Mission zum Aufbau des zerrissenen Landes werde fortgeführt.

Der Anschlag symbolisiert auf dramatische Weise die Schwäche der Organisation – am Hindukusch, und auch weltweit: Sie ist hilflos, schutzlos und oft auch mutlos. Auf keinem ihrer großen Aktionsfelder erzielte die Uno 2009 einen Erfolg: Weder im Kampf für Frieden und Menschenrechte, noch im Kampf gegen Armut, Hunger und Umweltzerstörung. Ein Uno-Mitarbeiter räumt ein: „2010 kann nur besser werden, hoffentlich auch in Afghanistan.“

Doch da sieht es nicht gut aus: Nach dem Anschlag im Oktober zog die Uno Hunderte Mitarbeiter ab. „Die Mission in Afghanistan ist jetzt in sehr schlechter Verfassung, keine Koordination, keine Glaubwürdigkeit mehr“, urteilt der Afghanistanexperte Edward Girardet.

Eklat in der Vollversammlung

Das Jahr war voller Skandale. Im April ließ bei der Antirassismuskonferenz in Genf Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad seinem Hass auf Israel freien Lauf, selbst Libyens Staatschef Muammar Gaddafi sorgte mit seiner wirren Rede vor der Uno-Vollversammlung nicht für einen vergleichbaren Eklat. Europäische Delegationen verließen unter Protest den Saal. Staaten wie Deutschland hatten erst gar keine Abordnung entsandt. Dem offiziellen Ziel der Uno, Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz in die Schranken zu weisen, kamen die Länder nicht näher.

Als Fehlschlag erwiesen sich auch die Bemühungen der Uno, das Atomprojekt Irans zu stoppen. Trotz der Drohungen des Sicherheitsrats, neue Sanktionen zu erlassen, treibt Teheran sein nukleares Projekt unbeirrt voran. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA), eine Uno-Spezialagentur, weiß ebenfalls keinen Rat mehr: Teheran ignoriert einen IAEA-Kompromiss zum Atomprogramm – und gewinnt weitere wertvolle Zeit. Ebenso erfolglos agierte die Uno in Darfur. Nirgendwo brachten Diplomatie oder Sanktionen die Waffen endgültig zum Schweigen. Auch im Kampf gegen Hunger und Armut sieht es düster aus: Während die globale Wirtschaftskrise das Elend verschärfte, einigten sich die Staaten auf dem Anti-Hunger-Gipfel in Rom nur auf eine wohlfeile Erklärung. Verbindlich festlegen wollten sie sich nicht.

Die vorläufig letzte Schlappe steckte die Uno in Kopenhagen ein. Nach mühevollem Ringen einigten sich die 193 Teilnehmerstaaten des Klimagipfels nur darauf, einen unverbindlichen Kompromiss „zur Kenntnis zu nehmen“. Uno-Chef Ban machte wie gewohnt auf Optimismus: „Das ist erst der Anfang“, kommentierte er. Immerhin, die Vollversammlung hat jetzt den Haushalt für 2010/2011 aufgestockt, auf 5,16 Mrd. Dollar von 4,87 Mrd. Dollar, die vor einem Jahr festgesetzt worden waren.

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