Vereinte Nationen zu Afghanistan
Bundeswehreinsatz in Kundus reicht für Sicherheit nicht aus

Nach Meinung der Vereinten Nation reicht der Einsatz der Bundeswehr in Kundus nicht aus, um in Afghanistan die erforderliche Sicherheit für den Wiederaufbau zu gewährleisten.

HB NEW YORK. Terroranschläge, Kämpfe zwischen verschiedenen Milizen und die vom Drogenhandel ausgehende Gewaltkriminalität beeinträchtigten die Sicherheitslage in weiten Teilen des Landes erheblich, erklärte der deutsche UN- Botschafter Gunter Pleuger am Dienstag vor dem UN-Gremium.

Pleuger hatte in der vergangenen Woche eine Diplomaten-Delegation der 15 Sicherheitsratsmitglieder bei einem Informationsbesuch in Afghanistan geleitet. Dabei hätten nahezu alle Gesprächspartner den Bundeswehreinsatz in Kundus als unzureichend bezeichnet, erklärte Pleuger in seinem Bericht über die Mission. Sie hätten zugleich eine starke Unterstützung des Friedensprozesses durch internationale Streitkräfte gefordert. Diese sollten den Aufbaus einer nationalen Armee und Polizei sowie die Ausdehnung der Autorität der afghanischen Regierung auf alle Gebiete des Landes ermöglichen.

Die UN-Delegation sah nach Pleugers Worten sehr deutlich, wie der Mangel an Sicherheit und die „Herrschaft der Gewehre“ den gesamten Friedensprozess bedrohen, der vor knapp zwei Jahren mit der Bonner Afghanistan-Konferenz begann. Die Abordnung forderte den umgehenden Rückzug aller bewaffneten Stammesmilizen aus der Hauptstadt Kabul. Die internationale Gemeinschaft müsse dringend weitere Mittel für den Aufbau der nationalen Sicherheitsorgane Afghanistans bereitstellen. Zudem sprach sich die UN-Abordnung für eine weitere internationale Afghanistan-Konferenz aus.

Andere Länder sind sehr zurückhaltend

Der UN-Sicherheitsrat hatte vor einem Monat auf Drängen der Bundesregierung das Mandat der von der NATO geführten internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) auf das ganze Land ausgedehnt. Der Bundestag genehmigte daraufhin die Entsendung von bis zu 450 deutschen Soldaten nach Kundus. Andere Länder sind jedoch beim Einsatz von Soldaten außerhalb Kabuls sehr zurückhaltend. Für die 5500 Mann starke ISAF-Truppe stellt Deutschland 1800 Soldaten zur Verfügung. Die Kosten für Deutschland belaufen sich im nächsten Jahr auf 233,6 Millionen Euro, davon 77 Millionen für den Einsatz außerhalb Kabuls.

Unterdessen wurde bei der Explosion einer Autobombe vor dem UN- Gebäude in der südafghanischen Stadt Kandahar ein Passant verletzt. Der Afghane sei mit seinem Motorrad vorbeigefahren, als der Sprengsatz detonierte, sagte ein Polizeisprecher der dpa. Die Außenmauern des UN-Geländes seien beschädigt worden. Kandahar galt als Hochburg der bis Ende 2001 in Afghanistan herrschenden Taliban, bei deren Angriffen in den vergangenen Monaten mehrere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet wurden.

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