Vereitelter US-Anschlag
Drahtzieher sollen Ex-Guantánamohäftlinge sein

Zwei der vier Drahtzieher des vereitelten Attentats auf einen US-Passagierjet in Detroit sollen im November 2007 aus dem Gefangenenlager Guantánamo freigelassen worden sein. Das berichten US-Medien unter Berufung auf Kreise und Dokumente des Verteidigungsministeriums. Das Terrornetzwerk El Kaida hat sich zu dem Anschlag bekannt und in einer Internet-Botschaft neue Gewalt gegen US-Ziele angekündigt.
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HB WASHINGTON. ABC-News meldet, die zwei Drahtzieher seien von Guantánamo nach Saudi-Arabien geschickt worden, wo sie an einem „Kunsttherapie-Rehabilitationprogramm“ teilnehmen sollten. Der Gefangene 333, Muhamad Attik el Harbi, und der Gefangene 372, Said Ali Shari, seien laut Dokumenten des Verteidigungsministerium am 9. November 2007 nach Saudi-Arabien überstellt worden. El Harbi soll seitdem einen anderen Namen angenommen haben. Beide Ex-Gefangene sollen in El-Kaida-Videobotschaften zu sehen sein, auch zusammen mit Abu Basir Nasir al Wahishi, dem früheren Privatsekretär von Osama bin Laden.

Die sogenannten Rehabilitierungsprogramme seien ein Witz, zitiert ABC-News einen US-Diplomaten. Vertreter Saudi-Arabiens hätten Versäumnisse der Programme eingeräumt, aber auch auf die Bemühungen verwiesen, die Terroristen in ein „sinnvolles“ Leben zurückzubringen. Eines der Programme sei aber gestoppt worden, nachdem sich viele Teilnehmer der El-Kaida-Gruppe oder Sympathisanten angeschlossen hätten.

Die Berichte dürften der Debatte um die Auflösung des Gefangenenlagers Guantánamo eine neue Wendung geben. US-Präsident Barack Obama hat eine Schließung bis Sommer kommenden Jahres in Aussicht gestellt. Die restlichen Terrorverdächtigen sollen in ein Gefängnis im Bundesstaat Illinois überstellt werden.

Drei Tage nach dem vereitelten Anschlag bekannte sich eine Gruppe der El Kaida zu dem Attentat. Der im Jemen ansässige Regionalzweig der Organisation „El Kaida auf der arabischen Halbinsel“ habe mit dem Bombenanschlag auf „ungerechte amerikanische Aggression auf der arabischen Halbinsel“ reagieren wollen, zitierte das auf Terrorismus spezialisierte IntelCenter in Alexandria bei Washington am Montag aus dem Bekennerschreiben des radikal-islamischen Terrornetzwerks. US-Präsident Obama ordnete indes an, den Druck auf internationale Terrororganisationen aufrechtzuerhalten.

Das „amerikanische Volk“ müsse sich auf neue Attentate einstellen, heißt es in der vom IntelCenter übersetzten Botschaft, der ein Foto des nigerianischen Detroit-Attentäters Umar Faruk Abdulmutallab beigefügt war. „Ich werdet bekommen, was ihr fürchtet“, lautet der Text weiter. Selbstmordattentäter stünden bereit. „Wir werden Euch mit Dingen treffen, von denen ihr nichts wisst, weil ihr tötet und deshalb getötet werdet. Unsere Rache ist nahe.“

Nach Angaben der jemenitischen Regierung hielt sich Abdulmutallab bis Anfang dieses Monats in dem arabischen Land zu Sprachstudien auf. US-Medien zufolge wurde der Sprengsatz von einem Top-Bombenbauer von El Kaida im Jemen gebaut. Der 23-Jährige sei auch dort für die Selbstmordmission trainiert worden, berichtete der Sender ABC.

US-Präsident Obama versprach unterdessen eine umfassende Aufklärung des versuchten Attentats und drohte zugleich internationalen Terrorgruppen. Seine Regierung werde nicht ruhen, bis alle an den Plänen Beteiligten zur Verantwortung gezogen sind, sagte Obama am Montag. Die USA würden „jedes Element unserer Macht als Nation“ nutzen, um Extremisten zurückzuschlagen, die die USA bedrohen – „ob sie aus Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder Somalia sind, oder von wo auch immer sie Attacken auf US-Boden planen“. Es waren die ersten öffentlichen Äußerungen des Präsidenten zu dem Zwischenfall am Freitag.

Abdulmutallab soll am 8. Januar im US-Staat Michigan vor Gericht erscheinen. Der Attentäter hatte am ersten Weihnachtstag Sprengstoff an Bord eines mit fast 300 Menschen besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta geschmuggelt und vor der Landung in Detroit zünden wollen. Eine Katastrophe wurde vor allem durch das Eingreifen von Passagieren verhindert, aber auch, weil der Zünder versagte.

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  • und nun hat europa diese amerikanischen ex karibik gefangenen , islam teroristen auf dem hals ?
    man hätte ihn in der schweinebucht ersäufen sollen !!!

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