Verfahrenen Lage
EU-Außenminister lehnen Teilung des Kosovo ab

Die EU-Außenminister lehnen eine Teilung des Kosovo ab. Eine Aufspaltung der Provinz wäre aus ihrer Sicht keine Lösung im Konflikt von Serben und Kosovaren.

HB VIENA DO CASTELO. Beim Treffen der EU-Außenminister im portugiesischen Viana do Castelo warnten am Freitag mehrere Ressortchefs, eine Teilung könnte erneut zu Spannungen auf dem Balkan führen. „Wir unterstützen keine Teilung des Kosovo. Das würde nicht funktionieren. Das ist meiner Meinung nach ausgeschlossen“, sagte etwa Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner. Sein schwedischer Kollege Carl Bildt warnte, dies wäre eine sehr gefährliche Option.

Russland hatte vergangene Woche seine Unterstützung für eine Teilung erklärt, sollte diese von beiden Seiten gewünscht werden. Mit den USA und der EU bildet Russland eine Troika, die in dem Konflikt vermitteln soll. Die EU-Außenminister beraten am Samstag über das Thema, wenn der deutsche EU-Vermittler Wolfgang Ischinger über den Stand der Verhandlungen informieren wird.

Im Streit zwischen der serbischen Regierung und den mehrheitlich den Kosovo bewohnenden Albanern sind die Fronten derzeit verhärtet. Die Provinz steht seit 1999 unter der Verwaltung der Vereinten Nationen, nachdem die Nato die ethnischen Säuberungen der Serben mit einem Krieg beendet hatte.

Seither müssen die 100.000 dort lebenden Serben von der UN-Schutztruppe KFOR vor den Kosovaren beschützt werden, die mit zwei Millionen die Bevölkerungsmehrheit ausmachen.Serbien lehnt eine Unabhängigkeit der Provinz strikt ab und wird dabei von Russland unterstützt. Die Kosovo-Regierung drohte mit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung, sollten die Gespräche bis zum 10. Dezember nicht zu einer Einigung führen.

Für neue Schärfe sorgte der serbische Staatssekretär für das Kosovo, Dusan Prorokovic. Dieser drohte in der „New York Times“ für den Fall einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung Kosovos, die der Westen akzeptieren würde, den Einmarsch des serbischen Militärs an. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn verlangte umgehend eine Klarstellung.

„Es ist unverständlich, dass ein Land, das einerseits auf eine Verhandlungslösung drängt, andererseits solche Gewaltandrohungen macht“, sagte Rehn der Nachrichtenagentur Reuters. Der serbische Verteidigungsminister Dragan Sutanovac spielte die Äußerungen des glühenden Nationalisten Prorokovic herunter.

Dieser fuchtele mit einer nicht geladenen Waffe herum und möge seine Nase ins eigene Ministerium stecken, sagte er der Tageszeitung „Blic“. Die EU muss sich angesichts der verfahrenen Lage in den kommenden Monaten einigen, ob sie das Kosovo als eigenständigen Staat anerkennen würde oder nicht.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte am Rande des Treffens die Hoffnung auf eine Einigung der Konfliktparteien. „Vielleicht sind die Chancen nicht übergroß, aber eine kleine Chance ist da.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%