Verfall der Auto-Hochburg
„Detroit ist eine Stadt in großer Not“

„Korruption und schlechtes Management“

Haben Sie bei Ihren Recherchen mit der Stadt zusammengearbeitet?
Nein. Joe Harris, der damalige Chef-Rechnungsprüfer, hatte mich sogar gewarnt: Bürgermeister Kwame Kilpatrick (Anm. d. Red.: Kilpatrick wurde kürzlich unter anderem wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt) darf nicht wissen, was du da machst, du musst es undercover tun.
Was passierte dann, als Sie den Bericht veröffentlichten?
Als wir im Mai 2005 schließlich dem Stadtrat unseren Bericht vorstellten, sagte ich: „Ihr habt hier ein großes Problem – 7,2 Milliarden Dollar Schulden, und es gibt keinen Weg, das zu bezahlen“. Joe wollte nicht, dass ich sage, Detroit sei bereits bankrott. Also riet ich dem Stadtrat, eine Insolvenz in Erwägung zu ziehen und legte dem Bericht eine Abhandlung über die Insolvenz von Kommunen bei.


Wie reagierten die Stadt-Offiziellen auf Ihren Befund?

Wir dachten, diese Leute müssen schockiert sein. Vor meinem Bericht hatte sich ja niemand die Pensions-Versprechen auch nur angeguckt. Man war davon ausgegangen, dass sie durch die Ausgabe frischer Anleihen von selbst verschwinden würden. Doch als ich dann meinen Bericht vor den Stadträten vorstellte, war nicht einer von ihnen bestürzt! Können Sie das glauben? Niemand sprach Joe oder mich später darauf an, auch die beiden anwesenden Zeitungen druckten kein Wort. Erst acht Jahre später tauchte die Geschichte erstmals in den Medien auf, in der „New York Times“.

Die Lage der Stadt war also schon schlimm genug, doch das Schlimmste sollte erst noch kommen: Finanzkrise, Rezession und Insolvenz von General Motors (GM) und Chrysler 2008/2009.

Ja, da rächte sich dann der Mangel an Haushaltsdisziplin in Detroit. Nun schrumpfte die Autoindustrie, weil sie keine wettbewerbsfähigen Produkte mehr baute und sich ihre eigenen Mitarbeiter nicht mehr leisten konnte. Dazu kam Korruption und schlechtes Management der Stadt, unbezahlbare Pensionen und dramatisch einbrechende Häuserpreise. Daneben hatten die Menschen mit hohen Steuern zu kämpfen, was dazu führte, dass sie sie nicht zahlen konnten und wegzogen, worunter wiederum das Schulsystem litt. Und das alles passierte in einem Bundesstaat, der seit acht Jahren in der Rezession steckte! In einem Land, das Ende 2008 ebenfalls in die Rezession rutschte! Deshalb ging Detroit baden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%