Verfassungsänderung unwahrscheinlich
Bush macht Homo-Ehe zum Wahlkampftema

Mit der Homo-Ehe ist ein hoch brisantes Thema in den amerikanischen Wahlkampf hinein geplatzt. US-Präsident George W. Bush drängte den Kongress, sich für eine Verfassungsänderung einzusetzen, die die Ehe einzig als Verbindung von Mann und Frau definiert. Diese Woche soll darüber abgestimmt werden.

HB WASHINGTON. Seinen Stellvertreter Richard Cheney hat Bush damit richtig in die Bredouille gebracht: Cheneys Tochter Mary (35) ist lesbisch und arbeitet im Wahlkampfteam für ihren Vater. Sie steht jetzt schwer unter Druck der Lesben- und Schwulenlobby, ihren Vater „zur Vernunft“ zu bringen. Cheney war vor der letzten Wahl dafür, es Bundesstaaten zu überlassen, wie sie zur Homo-Ehe stehen. Nach Bushs Vorpreschen musste er nun auf die Verfassungsänderungsschiene einschwenken.

„Die traditionelle Ehe ist unabdingbar für die Gesundheit der Gesellschaft und die Grundlage für eine ordentliche Gesellschaft“, sagt Bush. Niemand glaubt, dass im Senat die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Verfassungsänderung zu Stande kommt. Demokraten sehen ein abgekartetes Spiel der Republikaner, um mit dem Thema konservative Wähler zu ködern, die angesichts der hohen Arbeitsplatzverluste in Bushs Amtszeit und der andauernden Kritik am Irak-Feldzug vielleicht sonst nicht bei der Stange bleiben würden.

Schätzungsweise vier Millionen besonders konservative Christen haben beim letzten Wahlgang nicht abgestimmt. „Ich glaube, dieses Thema könnte dem Präsidenten hier den Wahlsieg bescheren“, sagte Gary Glenn, der im umkämpften Bundesstaat Michigan die Wahlkampftrommel für Bush rührt, der Zeitung „USA Today“. Auch in Oregon, wo viele Lesben und Schwule, aber auch viele fundamentalistische Christen zu Hause sind, gilt das Thema als wahlentscheidend.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry will gegen die Verfassungsänderung stimmen, wie sein ausgewählter Vize John Edwards. „Man sollte nicht aus politischen Gründen mit der Verfassung spielen“, sagt er. Dabei bleiben Kerry und Edwards den vor allem im konservativen Süden der USA immens wichtigen Familienwerten dennoch treu: persönlich seien sie auch gegen die Homo-Ehe, doch sollten die Bundesstaaten darüber selbst entscheiden, betonen sie.

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