Verfassungsschützer schlagen Alarm
Warnung vor russischen Spionen

Der Konflikt des Westens mit Russland erhält neuen Zündstoff durch Erkenntnisse deutscher Verfassungsschützer. Demnach spionieren Moskauer Agenten die Nato aus. Und auch Deutschland ist im Visier russischer Spione.
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BerlinAls österreichische Staatsangehörige südamerikanischer Herkunft reiste das Ehepaar Andreas und Heidrun A. 1988 und 1990 in die Bundesrepublik Deutschland ein. Die beiden kamen, um zu bleiben. Aber nicht etwa um sich hierzulande eine bürgerliche Existenz aufzubauen, sondern um für den russischen Nachrichtendienst zu spionieren. Ihre gefälschten österreichischen Ausweispapiere und das mutmaßlich unbescholtene Leben, das sie in Deutschland führten, dienten als Tarnung.

Ihre eigentliche Aufgabe bestand jedoch darin, „Informationen über die politische und militärpolitische Strategie der EU und der Nato zu gewinnen“. So steht es im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes Niedersachsen. Bis zu ihrer Festnahme im Oktober 2011 beschaffte das Ehepaar auch Informationen über „allgemein- und sicherheitspolitische Aspekte“ der Beziehungen Deutschlands, der EU und der Nato zu Russland. Im Juli 2013 wurden die beiden Spione zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Fall zeigt nach Einschätzung deutscher Verfassungsschützer, dass die so genannte politische Informationsbeschaffung unverändert im Vordergrund der Bemühungen russischer Geheimdienste steht. Inmitten der Ukraine-Krise sind solche Aktivitäten besonders brisant – vor allem, wenn nicht nur Deutschland, sondern auch die Nato-Partner der Bundesrepublik ins Visier genommen werden. „Der Fokus der Arbeit russischer Dienste liegt auf allen Politikfeldern“, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz Handelsblatt Online auf Anfrage mit. „Hierzu gehört insbesondere die Bündnispolitik innerhalb der Nato und die deutsche Außenpolitik.“

Die Erkenntnisse der Bundesverfassungsschützer decken sich, wie die Behörde erklärte, mit den Beobachtungen des niedersächsischen Verfassungsschutzes. In ihrem Verfassungsschutzbericht 2013 listet die Landesbehörde einige Aufklärungsziele auf  „Im militärischen Bereich gilt das Interesse Veranstaltungen, bei denen die Umgestaltung und Umrüstung der Bundeswehr oder die Schaffung gemeinsamer europäischer Streitkräfte sowie die technischen Anforderungen an die Verteidigungsindustrie thematisiert wurden“, heißt es in dem Bericht.

Außerdem interessierten sich die Dienste für die „militärische Infrastruktur“ in Deutschland, für wehrtechnische Neuentwicklungen sowie militärisch nutzbare Zivilschutztechnik. Im wissenschaftlich-technologischen Sektor liege der Schwerpunkt der Aktivitäten auf der Beschaffung von Informationen über Computer-, Telekommunikations- und Sicherheitstechnik sowie von Produkten aus den Bereichen Messtechnik, Luft- und Raumfahrt, stellen die Verfassungsschützer fest.

Kommentare zu " Verfassungsschützer schlagen Alarm: Warnung vor russischen Spionen "

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  • Was soll dieser Beitrag, plaziert zu dieser Zeit.
    Man schreibst sich das angebliche "fuktionieren" der Wirtschaftssanktionen schon auf die Fahne (ich dachte es gibt noch keine, wurde doch emhrfach beteuert..) Einige Reporter kommen da wohl nicht mit (ntv).
    Und nun wird das nächste Klischee bedient, Vorsicht der Russe hört mit???
    Soll wohl schön von der NSA ablenken. Wo bleiben die "Erkenntnisse" des Verfassungsschutzes zum Umfang der Spionage in dem "befreundeten" Germany??? So gut ist er wohl doch nicht, hier scheinen ja keine Erkentnisse vorzuliegen.
    Was nicht sein darf, kann auch nicht sein???
    Armes Deutschland...
    Für was geben sich unsere Journalisten nicht noch alles her?
    Was kommt als nächstes??? Putin macht schlechtes Wetter???

  • Typisch für das HB

    NSA und die Demos überall in Deutschland wird (fast) verschwiegen. aber wirde voll über den Russen herziehen.

    Aufpassen muss man überall, denn es geht ums Geschäft, aber hier wird mal wieder mit verschiendenen Maßstäben gemessen.

  • WAAS, die Russen spionieren uns aus, Putin hört mit am Handy von A. Merkel? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Dann ist er ja nicht besser als der unsägliche B. Obama, sogar noch schlimmer, er ist ja Russe. Gut, dass das Handelsblatt endlich die Sache richtig stellt, und klar macht wer hier Freund und Feind ist. Freunde sind die, die uns nicht ausspionieren und Feinde eben die, die das tun. Wahrscheinlich sind die Isländer die einzigen Freunde, aber auch da kann man nicht so sicher sein.

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