Verfolgte Minderheit
Arabiens bedrängte Christen

Die ältesten Anhänger der christlichen Religion waren wie selbstverständlich Teil der arabischen Welt. Heute werden sie in vielen Ländern in die Emigration gezwungen – und der Westen ignoriert ihr Schicksal. Eine Analyse.

Die Christen in der arabischen Welt scheinen gegenwärtig dazu verdammt zu sein, einen hohen Preis für das Aufkommen des Islamismus, für den internationalen Antiterrorkrieg und für das Fortdauern des Nahostkonflikts zu zahlen. Sie stehen besonders im Irak im Visier der Dschihadisten, die sie als angebliche Kollaborateure der „Kreuzfahrer und Juden“ terrorisieren und zur Massenflucht zwingen. Die Gefahr, dass die christliche Präsenz im Morgenland weiter schwindet, ist akut.

Das besondere Problem der Christen ergibt sich daraus, dass sie wie ihre muslimischen Mitmenschen unter den Diktaturen, gleichzeitig aber besonders als Minorität leiden. Dabei sind sie tief verwurzelt in der Region und gehörten weltweit zu den ersten Anhängern der christlichen Religion, die in Palästina entstand. Etwa die Hälfte der Araber war zur Zeit der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert christianisiert. Das Zweistromland, Syrien und die arabische Halbinsel gehörten zum größten Teil dazu. Deshalb entspricht die Gleichsetzung von Islam und Arabern weder in der Geschichte noch in der Gegenwart der Wahrheit.

Für die orientalischen Christen bedeutete die islamische Herrschaft nicht das Ende. Sie konnten weiterhin ihre Religion praktizieren, da der Islam sie als Schriftbesitzende betrachtete. Dafür mussten sie jedoch eine Kopfsteuer zahlen und einen zweitrangigen Status akzeptieren. Trotz dieser Benachteiligung nahmen die Christen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der islamischen Kultur und der Wissenschaften ein. Christliche Gelehrte und vor allem Übersetzer trugen dazu bei, die griechische Philosophie, Medizin und Wissenschaften ins Arabische zu übertragen und die Grundlagen der geistigen Entwicklung des Islams zu schaffen. Die christlich-islamische Symbiose brachte beiden Seiten nur Vorteile und der menschlichen Zivilisation eine Blüteperiode.

Doch die Periode der islamischen Toleranz endete infolge der Kreuzzüge, deren erklärtes Ziel die Befreiung der orientalischen Christen war. Der britische Historiker Steven Runciman schreibt in diesem Zusammenhang: „Es war eine seltsame Rettung. Als sie (die Kreuzfahrer) ihre Staaten im Osten errichteten, behandelten sie ihre Untertanen nicht besser, als es der Kalif vor ihnen getan hatte. Als sie aus dem Lande vertrieben wurden, ließen sie die einheimischen Christen schutzlos zurück.“

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