Vergeblicher Kanzler-Einsatz
Franzosen schlagen Deutsche beim U-Boot-Poker

Trotz des Einsatzes von Bundeskanzler Schröder für die Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) wird Indien nach Medienberichten französische U-Boote kaufen. Es wird erwartet, dass der indische Premierminister die Entscheidung bei seinem am Sonntag beginnenden Frankreich-Besuch verkündet.

HB NEU DELHI. Noch vor wenigen Tagen schrieb Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an den indischen Premierminister Manmohan Singh. Wie bereits bei seinem Indien-Besuch im vergangenen Oktober setzte sich Schröder in dem Brief persönlich für die Howaldtswerke- Deutsche Werft GmbH (HDW) ein.

Trotz des Kanzler-Engagements für die Kieler U-Boot-Bauer: Beim Milliarden-Poker am Ganges scheint sich nun die französische Konkurrenz vom Werftenkonzern Direction des Constructions Navales (DCN) durchgesetzt zu haben. An diesem Sonntag reist Singh zu einem Besuch nach Paris. Erwartet wird, dass er dort den Kauf von sechs französischen U-Booten verkündet.

Nach jahrelangem Zögern hat die Regierung in Neu Delhi indischen Medienberichten zufolge nun doch beschlossen, die Boote vom Typ „Scorpene“ im Wert von mindestens 2 Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd Euro) bei DCN zu ordern - das Verteidigungsministerium will die Berichte nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Das Geschäft ist auch in Indien umstritten. Eine Ausschreibung für das so genannte „Projekt 75“ gab es nie, DCN ist der einzige Anbieter. Die deutsche Konkurrenz war wegen eines Korruptionsverfahrens in Indien auf die schwarze Liste gesetzt und von Geschäften ausgeschlossen worden.

Die Bestechungsvorwürfe waren Ende der 80er Jahre im Zusammenhang mit dem Verkauf von vier HDW-U-Booten vom Typ 209 an die indische Marine aufgekommen. Erst in diesem März stellte ein Gericht in der indischen Hauptstadt Neu Delhi das Verfahren endgültig ein - lange nachdem das indische Bundeskriminalamt CBI bereits erklärt hatte, keine Beweise gefunden zu haben, die die Vorwürfe belegen. HDW war in Indien rehabilitiert und witterte Chancen, die aggressive Konkurrenz aus Frankreich doch noch ausbooten zu können.

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