Vergewaltigungsvorwürfe
Israels Präsident meidet Knesset wegen Sex-Skandal

Wegen der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn hat der israelische Präsident Mosche Katsav darauf verzichtet, die erste Sitzung des Parlaments persönlich zu eröffnen. Damit wollte er offensichtlich einen Eklat in der Knesset vermeiden.

HB JERUSALEM. Mehrere weibliche Abgeordnete des Parlaments hatten angekündigt, die Eröffnungssitzung der Knesseth demonstrativ zu verlassen, wenn sie von Katsav wie gewohnt eingeläutet werden sollte. Tourismusminister Isaac Herzog, Sohn des verstorbenen Präsidenten Chaim Herzog, nannte den Sex-Skandal „höchst unerfreulich und peinlich“. Die israelische Polizei hatte am Sonntag Beweismittel gegen Katsav vorgelegt, auf deren Basis nun der Generalstaatsanwalt des Landes über eine Anklage entscheiden wird.

Bildungsministerin Juli Tamir forderte Katsav ultimativ zum Rückzug auf: „Der Präsident muss zurücktreten. Wenn er es nicht tut, dann werden wir meiner Einschätzung nach ein Verfahren einleiten, ihn dazu zu zwingen.“ Auch die größten Tageszeitungen Israels stellten quer über das politischen Spektrum hinweg fest, es sei Zeit für Katsav zu gehen. „Leben Sie wohl, Präsident Katsav“, hieß es in der „Haaretz“. „Es gibt keine Alternative zu einem Abschied“, schrieb die „Jedioth Ahronoth“. Katsavs Amtszeit endet im kommenden Jahr.

Katsav drohen bis zu 16 Jahre Haft, wenn er vor Gericht gestellt und schuldig gesprochen werden sollte. Die Entscheidung von Generalstaatsanwalt Menachem Masus wird Polizeivertretern zufolge in etwa zwei Wochen erwartet. Der fünffache Vater und sechsfache Großvater Katsav wies die Vorwürfe erneut zurück und bezeichnete sich als Opfer eines „öffentlichen Lynchens ohne Verfahren und ohne ordentliche Untersuchung“.

Nach wochenlangen Ermittlungen wirft die Polizei dem Präsidenten vor, „sexuelle Verbrechen der Vergewaltigung, der gewaltsamen und nicht einverständlichen sexuellen Belästigung“ an Frauen begangen zu haben, die für ihn gearbeitet haben. Dafür lägen erste Beweismittel vor. Zudem bestehe der Verdacht, dass Katsav „Gesetze zur Verhütung von Abhörung“ verletzt und an Betrug beteiligt gewesen sei, teilten Polizei und Innenministerium in einem gemeinsamen Erklärung mit. Polizeikreisen zufolge hat der Staatschef Wanzen installieren lassen, um Gespräche von Mitarbeitern mithören zu können.

Unter anderem hat eine ehemalige Mitarbeiterin im Büro des Präsidenten den 60-Jährigen angezeigt, sie zum Sex gezwungen zu haben. Die Affäre macht seit August Schlagzeilen in Israel. Auch am Montag verdrängte sie Berichte über Koalitionsstreitigkeiten unter dem angeschlagenen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung des Libanon-Krieges auf die hinteren Seiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%