Vergiftung
Polonium bei Litwinenko-Informant entdeckt

Der verstorbene Alexander Litwinenko ist nicht der einzige, der von unbekannten Dunkelmännern mit Polonium 210 vergiftet wurde: Auch im Körper einer seiner Kontaktpersonen wurde die radioaktive Substanz nachgewiesen. Der Verdacht richtet sich inzwischen weniger gegen russische Offizielle, sondern gegen abtrünnige Geheimdienstler.

HB LONDON: Bei dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella, der sich am 1. November mit Litwinenko in einer Londoner Sushi-Bar getroffen hatte, sind nach Medienberichten Spuren von Polonium 210 festgestellt worden. Dies habe ein Urintest ergeben, berichtete die britische BBC am Freitag. Scaramella zeige bislang jedoch keine Symptome einer Vergiftung.

Die bei dem Italiener festgestellte Menge sei größer, als bei einem normalen Händedruck hätte übertragen werden können, sagte ein Experte der BBC. Es sei wahrscheinlich, dass auch Scarmella in der Sushi-Bar die radioaktive Substanz aufgenommen habe, so der Experte weiter. Nach dem Strahlentod von Litwinenko vor einer Woche sollte Scarmella von Scotland Yard als Zeuge vernommen werden. Der Italiener hatte angeblich geglaubt, dass sowohl er als auch Litwinenko verfolgt würden.

In der Affäre um den Gifttod des früheren russischen Geheimagenten Litwinenko richtet sich der Verdacht zunehmend gegen dessen ehemalige Kollegen. Scotland Yard hält es nach britischen Presseberichten jetzt für „wahrscheinlich“, dass der 43-Jährige Opfer eines Komplotts von früheren oder jetzigen Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes FSB wurde.

Dem „Guardian“ zufolge gilt ein Mordauftrag aus der russischen Staatsführung inzwischen als ausgeschlossen. Litwinenko könne aber von „Schurkenelementen“ aus dem russischen Staatsapparat getötet worden seien. Begründet wird der Verdacht damit, dass nur Profis in Russland Zugang zu staatlichen Nuklearlabors hätten und einen solchen Plan austüfteln könnten.

Mit Hilfe der radioaktiven Spuren, die inzwischen an einem Dutzend verschiedener Orte gefunden wurden, ist es der Polizei inzwischen gelungen, sowohl die Wege des Opfers als auch der mutmaßlichen Täter durch London einigermaßen nachzuvollziehen. Der „Daily Telegraph“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise auch, dass die Täter vermutlich aus Versehen Polonium auf den Boden ihres Londoner Hotelzimmers fallen ließen. Möglich ist aber auch, dass damit eine falsche Spur gelegt werden sollte.

Auch auf Sitzen sowie in den Gepäckfächern einer British-Airways- Maschine, die am 25. Oktober nach London kam, wurden Spuren entdeckt. Die Zeitung „The Guardian“ berichtete, der Verdacht richte sich gegen eine Gruppe von mindestens fünf Russen, die zum Champions-League- Spiel Arsenal London gegen ZSKA Moskau am 1. November nach Großbritannien kamen und kurz darauf abreisten. An diesem Tag fand vermutlich auch der mutmaßliche Giftanschlag statt.

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