Vergleich mit dem „Dritten Reich“
Liechtensteins Fürst relativiert Nazi-Vergleich

Der Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., hat mit einem indirekten Vergleich der Bundesrepublik mit dem "Dritten Reich" der Nazis für Unmut und Unverständnis gesorgt.

HB VADUZ/BERLIN. Liechtenstein habe in den letzten 200 Jahren schon "drei Deutsche Reiche" überlebt. Er hoffe, auch noch das vierte Reich zu überleben, schrieb der Fürst in einem am Donnerstag öffentlich gewordenen Brief vom 24. Juni an den Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, Michael Blumenthal.

Im Laufe des Tages relativierte Hans-Adam seine Äußerungen. Der Fürst habe mit seinem privaten und persönlichen Schreiben an Blumenthal "in keiner Weise beabsichtigt, die grauenhaften Ereignisse des Dritten Reiches zu verharmlosen", hieß es in einer Pressemitteilung. "Fürst Hans-Adam II. hat seine Äußerung, dass sich das Dritte Reich nie wiederholen möge, auf die Zukunft bezogen und damit keinen Bezug zum heutigen Deutschland hergestellt."

Die Pressestelle des Fürstenhauses betonte, das Schreiben beziehe sich vor allem auf das sicherlich schwierige Thema der Enteignungen während des Zweiten Weltkriegs und danach. Liechtenstein habe noch offene Rechtsfragen mit europäischen Staaten, darunter auch Deutschland. Deswegen sei der Brief in diesem komplexen Zusammenhang eine Erläuterung der Absage auf eine Anfrage des Jüdischen Museums nach einer Leihgabe. In keiner Weise solle dies als Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Reiches verstanden werden.

Das Jüdische Museum Berlin kritisierte die Äußerungen des Fürsten scharf. "Wenn man die Bundesrepublik Deutschland als "viertes Reich" bezeichnet und somit in eine Reihe mit dem Dritten Reich stellt, verharmlost man die nationalsozialistischen Verbrechen auf eine unerträgliche Art und Weise", sagte eine Museumssprecherin in Berlin.

Das Museum hatte Liechtenstein um eine Leihgabe für einen Ausstellung gebeten. Dabei handelt es sich um das Gemälde "Ein männliches Bildnis" von Frans Hals aus dem 17. Jahrhundert. Dies hatte der Fürst in einem Brief an Museumsdirektor Blumenthal abschlägig beschieden. Nach Angaben der Sprecherin ist es nicht das erste Mal, dass aus Liechtenstein eine Leihgabe verwehrt wird.

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