Verhältnis Russland-Griechenland
Ziemlich alte Freunde

EU-Sanktionen, Gas-Rabatte, Hilfskredite: Beim Besuch des griechischen Premiers Tsipras bei Kremlchef Putin dürften die Gesprächsthemen nicht ausgehen. Die Abhängigkeit Athens von Moskau hat eine lange Tradition.
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DüsseldorfGetrennt werden sie durchs Schwarze Meer und die Türkei. Sonst gibt es vieles, das Griechenland und Russland verbindet: christliche Orthodoxie, rege Handelsbeziehungen, auch politisch gibt es so einige Gemeinsamkeiten. Wenn Griechenlands Premier Alexis Tsipras an diesem Mittwoch und Donnerstag zum Staatsbesuch bei Kremlchef Wladimir Putin in Moskau weilt, treffen sich die Repräsentanten beider Länder als ziemlich alte Freunde.

Das hoch verschuldete Griechenland ist auf seine russischen Handelspartner angewiesen. Allein schon wegen der Energieversorgung: Rund zwei Drittel des griechischen Gasverbrauchs werden aus russischen Quellen gedeckt. Einst sollte sogar eine Gas-Pipeline von der russischen Küstenstadt Anapa bis nach Thessaloniki führen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis setzt sich im Jahr 2008 dafür ein, Griechenland an das Projekt „South Stream“ anzuschließen. Doch die EU stoppte die Planung – jetzt soll das Gas als „Turkish Stream“ durch die Türkei geleitet werden.

Auch sonst sind die die Verbindungen zwischen Griechenland und Russland traditionell eng. Im 19. Jahrhundert standen Russen den Hellenen im Befreiungskampf gegen die Osmanen bei. Auch an diesem Mittwoch, wenn Griechenlands Premier Alexis Tsipras zum Staatsbesuch in Moskau weilt, könnte dort eine Allianz geschmiedet werden: gegen Spardiktate und Sanktionen.

Denn Griechenland leidet unter dem russischen Verbot von West-Importen. Moskau hatte die Handelsbeschränkungen als Antwort auf die Sanktionen der Europäischen Union erlassen.

Das traf vor allem hellenische Bauern: Im vergangenen Herbst blieben die Griechen auf rund 600.000 Tonnen Obst und Gemüse sitzen, die sonst nach Russland geliefert worden wären, berichtete damals die „Zeit“. Andere Abnehmer fanden die Bauern nicht. Das Gemüse und Obst – vor allem Pfirsiche, Erdbeeren und Kiwis – verfaulte.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit Griechenlands von Russland geht zurück auf eine lange Tradition. Schon seit den späten Siebzigerjahren haben griechische Premierminister regelmäßig die Nähe zu Moskau gesucht. So traf sich etwa Antonis Samaras, Vorgänger des griechischen Premiers Alexis Tsipras, im Januar 2014 mit Putin in Brüssel – und handelte einen Gas-Rabatt von 15 Prozent aus.

Kommentare zu " Verhältnis Russland-Griechenland: Ziemlich alte Freunde"

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  • Nachdem die Politchaoten in EU und Griechenland nach fünf Jahren herummurksen alles immer nur schlimmer gemacht haben, kann die jetzige Regierung in Griechenland nicht mehr viel schlechter machen.
    Wenn die Griechen sich um Russland bemühen, um die durch die idiotischen Sanktionen bewirkten Wirtschaftsnachteile zu lindern, kann das für Griechenland nur gut sein.
    Wenn wir nicht zu einhundert Prozent aus Washington regiert würden, könnten wir vielleicht in dieser Hinsicht auch auf den Pfad der Vernunft zurückkehren, es würde viel Schaden vom Wirtschaftsstandort Deutschland abwenden.
    Wenn ich es nicht miterleben würde, hätte ich es nicht geglaubt, mit welcher Vernichtungssehnsucht die deutsche Regierung den Konflikt mit Russland sucht.
    Wir haben doch alle miterlebt, wie der Konflikt um die Ukraine präzise von den Amis eingefädelt wurde und wir haben gesehen wie die EU-Länder fern jeder vernünftigen Überlegung sich von Anfang an instrumentieren ließen.
    Ich sehe hier nach wie vor eine große Schuld bei der Berichterstattung und Kommentierung in allen Medien , die Bevölkerung wird nicht ausgewogen informiert sondern so wie es den angelsächsischen Brandstiftern ins Konzept passt.

  • "Die wirtschaftliche Abhängigkeit"

    WAS IST DAS ?????

    Neue Grundlagen für zwischenstaatliche Handelsbeziehungen????

    Dann wundert mich NICHTS mehr. Dies sind wohl die neuen westlichen WERTE ????
    ABHÄNGIGKEIT schaffen - zum Wohle der D-Industrie
    Aus dem IIWK NICHTS gelernt.

  • Vor gerade mal ein paar Wochen waren Viele wohl noch einigermaßen gespannt, was uns nach den Wahlen in Griechenland denn nun konkret erwarten würde.

    Da sind wir aber inzwischen doch schon ein ganzes Stück schlauer.

    Wenn man nicht jedesmal nur dazulernen könnte, müsste man wohl sagen:
    Leider.

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