Verhaftung erschüttert Vertrauen von Investoren
Ex-Yukos-Chef vorerst nicht auf freiem Fuß

Michail Chodorkowski, der vor zweieinhalb Wochen in Russland verhaftete frühere Yukos-Chef des, muss nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter Umständen bis zu zwei Jahre in Untersuchungshaft bleiben. Erst wenn alle Ermittlungen abgeschlossen sind kann der Russe auf einen Prozess hoffen.

HB MOSKAU. Finanzexperten sehen das Risiko, dass es zu einer verstärkten Kapitalflucht aus Russland kommt. Die Zahlungsfähigkeit des Landes würde dadurch aber nicht gefährdet. Die Dauer von Chodorkowskis Untersuchungshaft hänge davon ab, wie rasch die Ermittler ihre Arbeit beendeten, sagte der stellvertretende Staatsanwalt Wladimir Kolesnikow am Mittwoch der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Im günstigsten Fall könne das Verfahren innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen werden. Kolesnikow zufolge ist aber nicht auszuschließen, dass neue Fakten zu Tage gefördert und neue Anschuldigungen gegen Chodorkowski erhoben werden, dem Steuerhinterziehung und Betrug zur Last gelegt werden. „Falls sich ein Menge Arbeit auftut, könnten wir sein Haft auf bis zu zwölf Monate verlängern, und wenn das Material außerordentlich umfangreich werden sollte, auch bis zu zwei Jahre“, sagte Kolesnikow.

Das russische Ministerium für Rohstoffe wollte noch am Mittwoch über die Öl-Lizenzen für die Yukos-Tochter Tomskneft in Sibirien entscheiden. Die Entscheidung gilt als Hinweis darauf, ob sich die Ermittlungen der Strafverfolger gegen Russlands größten Energiekonzern im Ganzen oder nur gegen dessen milliardenschweren ehemaligen Chef richten, der politische Gegner von Russlands Präsident Wladimir Putin unterstützt.

Die Verhaftung Chodorkowskis hatte das Vertrauen von Investoren in Russland erschüttert. Besorgnis machte sich breit, das Vorgehen gegen den Unternehmer könnte ein Signal für eine wachsende Einmischung des Staates in die Wirtschaft sein. Die Ratingagentur Moody's erwartet eine verstärkte Kapitalflucht aus Russland im zweiten Halbjahr 2003. Das Land habe aber gezeigt, „dass es seine Schulden bezahlen kann, selbst wenn es ein Problem der Kapitalflucht gibt“, sagte Moody's-Analyst Jonathan Schiffer vor Journalisten.

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