Verhandlungen in Minsk
Waffenruhe in der Ukraine

Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten beschließen eine Feuerpause. Sie soll am Freitagabend beginnen. Die EU will möglicherweise auf Sanktionen verzichten. Nicht alle scheinen zur Einigung bereit.
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Kiew/MinskIm Ukraine-Konflikt haben Unterhändler der Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten eine Waffenruhe für das umkämpfte Gebiet Donbass vereinbart. Sie soll um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in Kraft treten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Unterzeichnung des Friedensplans verkündet. Er habe seinen Truppen Befehl gegeben, ab 17 Uhr das Feuer einzustellen.

Zugleich mahnte er eine effektive internationale Kontrolle des Waffenstillstands an. Das Blutvergießen müsse ein Ende haben. Auch die OSZE bestätigte die Übereinkunft. Die Agentur Interfax berichtete, dass sich die Konfliktparteien auf einen 14-Punkte-Plan geeinigt hätten.

Ein Gouverneur der umkämpften Region Donezk sprach ebenfalls von einer Einigung. Er warte nun auf weitere Einzelheiten. Allerdings streben die Rebellen nach den Worten ihres Anführers in Lugansk, Igor Plotnizki, ungeachtet der Waffenruhe weiter die Abspaltung von der Zentralregierung in Kiew an. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Gespräche mit Plotnizki.

Kurz vor der Bekanntgabe der Waffenruhe forderte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk in einer Kabinettssitzung in Kiew, die USA und die EU müssten als Garanten der Waffenruhe auftreten. „Wir werden das nicht mit Russland allein hinkriegen“, sagte Jazenjuk. „Wir brauchen Garantien.“

In Reaktion auf die Vereinbarung in Minsk legten die Börsen in Moskau deutlich zu. Auch der russische Rubel zog an. Zuvor waren die Kämpfe ungeachtet der Gespräche unvermindert weiter gelaufen, sowohl in der Küstenstadt Mariupol als auch in der Separatistenhochburg Donezk. Dabei waren die prorussischen Separatisten nach eigenen Angaben weiter auf dem Vormarsch. So meldeten die Rebellen den Einmarsch in Mariupol. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Angehörigen der Rebellen, wonach die ersten Einheiten bereits in die Stadt vorgedrungen seien.

Der ukrainische Militärsprecher erklärte dagegen, dass man die Separatisten zurückgedrängt habe. Ein Offizier der ukrainischen Armee in Mariupol sagte, die Militäroperation gehe weiter. Bisher gebe es keinen Befehl, das Feuer wegen der Gespräche in Minsk einzustellen. Die Hafenstadt am Asowschen Meer liegt strategisch wichtig etwa auf halbem Weg zwischen der russischen Grenze und der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Zudem ist sie bedeutend für den ukrainischen Stahlexport.

Auch nahe des Flughafens von Donezk wurde einem Reuters-Reporter zufolge gekämpft. In Brüssel wollten die EU-Botschafter über neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland beraten. Die möglichen Strafmaßnahmen sollen wegen der Verhandlungen in Minsk Diplomaten zufolge aber nicht unmittelbar in Kraft treten.

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sind im Ukraine-Konflikt bislang etwa 2000 russische Soldaten getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben war nicht möglich. Die Vereinten Nationen haben die Gesamtzahl der Opfer in dem Konflikt auf mehr als 2600 beziffert.

Kommentare zu " Verhandlungen in Minsk: Waffenruhe in der Ukraine"

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  • Die russische Propaganda hier im Forum ist immer wieder witzig zu lesen. Danke Handelsblatt, dass ihr uns dieses höchste Gut russischer Intelligenz nicht vorenthaltet ;-)

    Also ... alle sind Kriegstreiber in der Ukraine ... die USA, UK, Polen und natürlich auch Kiew (gegen das "eigene" Volk). Nur der liebe Putin und seine Berufssoldaten (die nur im Urlaub vergessen haben ihre Uniformen auszuziehen, aber die Abzeichen der eigenen Einheit alle schön sauber entfernt haben, und auch gleich noch gemeinsam mit ihren Kameraden in den "Urlaub" fahren), die sind die Guten. Ja is klar!

    Ist auch logisch, dass mal einfach so ein paar "Freiheitskämpfer" die ukrainische Armee mit Panzern und anderem schweren Gerät zurückdrängen und Kampfflugzeuge abschießen. Haben sie alles "gefunden" oder "erobert". Und wie man es bedient, lernt man ja in der Ukraine bestimmt in der Grundschule.

    Und von Männern wie "Strelkov" (für alle nicht Putin-Trolle zum Nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_Wsewolodowitsch_Girkin) als "Aufständische" zu sprechen, ist eine echt witzige Idee. Er steht ja auch jeden Morgen auf. Also ist er ein "Aufständischer". Is auch klar.

    Aber hey ... erheitert uns weiter mit euren Ergüssen. ... schön fleißig tippen!

    Mit ein wenig Glück müsst ihr nicht demnächst einen Freund oder Familienangehörigen beerdigen, der von Putin versehentlich in das falsche Land zu einer "Übung" gesendet wurde. Die Zahl der russischen Opfer dieses Krieges steigt schnell. Schneller als ihr tippen könnt!

  • Obama ist ein Blender und Dummschwätzer. Und die NATO entwickelt sich mehr um mehr zum Kriegshetzer.
    Warum aht Merkel denn nicht den Mut, das mal zu stoppen?

  • Frau Helga Trauen,
    ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Im Westen sind einige, die offensihtlich einen neuen Krieg wollen.
    Und die Polen sehe ich auch als ziemliche Hetzer an

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