Verhandlungen kommen scheinbar voran
Hisbollah gibt Überreste israelischer Soldaten heraus

Möglicherweise gibt es Fortschritte bei den Verhandlungen über einen umfassenden Gefangenenaustausch zwischen der Hisbollah und Israel: Die Hisbollah hat am Sonntag die sterblichen Überreste mehrerer israelischer Soldaten freigegeben, die 2006 im Krieg gegen den Libanon getötet wurden. Zugleich entließ Israel einen libanesischen Gefangenen, der wegen Spionage für die islamistische Gruppierung sechs Jahre im Gefängnis gesessen hatte.

HB NAKURA. Es war zunächst nicht klar, ob beide Seiten ein entsprechendes Abkommen getroffen hatten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte in Beirut, der Austausch sei ein erster Schritt. Er hoffe nun auf eine positive Dynamik. Nach seinem Antrittsbesuch beim neu gewählten libanesischen Präsidenten Michel Suleiman forderte Steinmeier Syrien auf, das Nachbarland als eigenständigen Staat anzuerkennen.

Vertreter der Hisbollah empfingen den ehemaligen Gefangenen Nissim Nisr im südlibanesischen Dorf Nakura, wo er in einem Wagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) eintraf. Im Gegenzug sollte das IKRK die sterblichen Überreste der Soldaten nach Israel transportieren. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, die Überreste würden nun forensisch untersucht. Ein Hisbollah-Vertreter erklärte, man erwarte schon sehr bald die Freilassung weiterer Gefangener.

Die Ereignisse vom Sonntag nährten Spekulationen über Fortschritte bei den Verhandlungen über einen umfassenden Gefangenenaustausch, die von einem deutschen Vermittler im Auftrag der Vereinten Nationen geführt werden sollen. Im Libanon hieß es am Sonntag aus politischen Kreisen, der nun erfolgte Austausch stünde im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen. Israel bemüht sich immer noch um die Freilassung von zwei seiner Soldaten, deren Verschleppung 2006 den 34-Tage-Krieg im Libanon ausgelöst hatte. Im Gegenzug fordert die Hisbollah die Freilassung mehrerer Libanesen von Israel.

Unterdessen sprach sich Steinmeier in Beirut für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Syrien und dem Libanon aus. Im Zuge des Neuanfangs im Libanon hoffe er auf eine solche Entwicklung, erklärte er nach dem Gespräch mit dem libanesischen Präsidenten. Als erster westlicher Politiker in Beirut seit Suleimans Wahl vor einer Woche bot Steinmeier zudem europäische und deutsche Unterstützung bei der Umsetzung des von der Arabischen Liga vermittelten Kompromisses an.

Der Kompromiss hatte die 18-monatige Staatskrise vor zehn Tagen beendet und soll nun die Bildung einer neuen Regierung ermöglichen. „Die Menschen im Libanon wollen keine Rückkehr zu Krieg und Gewalt“, sagte er mit Blick auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der libanesischen Hauptstadt noch vor drei Wochen. Im Machkampf mit dem vom Westen unterstützten Regierungslager hatte die pro-syrische Hisbollah-Miliz Anfang Mai halb Beirut erobert.

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