Verhandlungen
Neue Öl-Pipeline soll Bosporus entlasten

Das seit fast 15 Jahren diskutierte Projekt einer Ölpipeline vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas nach Alexandroupolis an der nordgriechischen Ägäisküste kommt offenbar in Gang. Der russische Präsident Wladimir Putin, Bulgariens Staatschef Georgi Parwanow und der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis wollen heute in Athen einen Vorvertrag über den Bau der Rohrleitung unterzeichnen. Die Leitung soll den Bosporus entlasten, bisher die wichtigste Route für Russlands Ölexporte nach Westen.

ATHEN. Mit der Pipeline bekommt Russland einen weiteren wichtigen Transportweg für seine Rohölexporte nach Westeuropa. Die Tankerpassagen durch die Meerenge am Bosporus sind wegen drohender Havarien riskant und zeitraubend. Seit 2001 hat sich der Tankerverkehr im Bosporus verdreifacht. Besonders im Winter müssen die Schiffe wegen schlechter Sichtverhältnisse oft tagelang auf die Durchfahrt warten.

Bereits 1992 legte die im Tanker- und Raffineriegeschäft sowie im Bauwesen tätige griechische Latsis-Gruppe erste Pläne für eine Pipeline vor, um dieses Nadelöhr zu umgehen. Die Rohrleitung soll vor allem mit russischem Rohöl gespeist werden, das in Tankern vom russischen Ölhafen Noworossisk über das Schwarze Meer nach Burgas transportiert werden könnte. Die Kosten des Projekts werden auf 780 Mill. Euro veranschlagt.

Das Vorhaben kam aber bisher nur schleppend voran, weil sich Griechenland, Bulgarien und Russland nicht auf die Beteiligungsverhältnisse an dem geplanten Konsortium einigen konnten. Engagiert sind auf russischer Seite TKN BP, Rosneft und Gazprom. Bulgarien ist mit der staatlich kontrollierten Gesellschaft Oil Pipeline Burgas-Alexandroupolis BG vertreten, und seitens der Griechen sind neben der Latsis-Gruppe der Energiekonzern Copelouzos und die mehrheitlich vom Staat kontrollierte Hellenic Petroleum dabei. Lange offen war auch die Frage, wie die Pipeline ausgelastet werden kann.

Dieses Problem ist weitgehend gelöst, nachdem Russland zu langfristigen Liefergarantien bereit scheint und auf der Abnehmerseite der US-Konzern Chevron Corp. Interesse an einer Beteiligung zeigt. Inzwischen gebe es „keinen Grund mehr, an der Finanzierung des Projekts und seiner Auslastung zu zweifeln“, meinte vergangene Woche Russlands Vizeminister für Industrie und Energiewirtschaft, Andrej Dementjew. Noch müsse aber sicher gestellt werden, „dass wir ein konkurrenzfähiges Projekt gegenüber dem maritimen Erdöltransport bekommen“. Fachleute schätzen, dass der Öltransport durch die Pipeline etwa acht Dollar pro Tonne billiger sein könnte als die Verschiffung durch den Bosporus.

Uneinigkeit besteht noch über die Beteiligungsverhältnisse. Die russische Seite verlangt mehr als die von Griechenland und Bulgarien bisher angebotenen 51 Prozent an dem Pipelinekonsortium. Die Russen haben gegenüber ihren Athener Verhandlungspartnern außerdem erkennen lassen, dass sie im Zusammenhang mit dem Burgas-Alexandroupolis-Pipelineprojekt eine Verlängerung des bis 2014 laufenden Erdgas-Lieferabkommens mit Griechenland anstreben. Dabei geht es der staatlichen Gazprom offenbar vor allem darum, ihr Erdgas in die im Bau befindliche Pipeline einzuspeisen, die vom nordwestgriechischen Loutsa unter der Adria nach Otranto am Absatz des italienischen Stiefels führt. Diese Rohrleitung, die im Osten an den Erdgasknoten beim türkischen Ankara angeschlossen sein wird, soll 2010 in Betrieb gehen. Damit könnte Gazprom künftig auch über die Schiene Türkei-Griechenland Erdgas direkt ins europäische Netz einspeisen. Dieser Plan dürfte bei Putins heutigen Gesprächen in Athen eine Rolle spielen.

Seite 1:

Neue Öl-Pipeline soll Bosporus entlasten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%