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Verhandlungsbereitschaft: Islamisten in Mali zerstreiten sich

Angriffe der französischen Armee in Mali scheinen Wirkung zu zeigen: Aus Timbuktu sind die islamistischen Rebellen offenbar geflohen. Zudem spaltete sich eine Gruppe ab - und signalisierte Verhandlungsbereitschaft.

Bamako/San/Addis AbebaDie islamistischen Rebellen in Mali sind offenbar vor den Angriffen der französischen Luftwaffe aus Timbuktu geflohen. Timbuktu gleiche einer Geisterstadt, mit den Islamisten hätten auch viele Einwohner die berühmte Stadt verlassen, sagte ein Vertreter der Stadtverwaltung, Moctar Ould Kery, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

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Ein Einwohner bestätigte seinen Bericht; "seit drei Tagen gibt es schon keinen Strom und kein Trinkwasser", sagte er. Nach Angaben eines Sicherheitsvertreters versuchen die Islamisten, sich "in der Region von Kidal" im äußersten Nordosten des Landes neu zu ordnen.

Den Angaben zufolge hatten die Rebellen vor ihrer Flucht die Strom- und Wasserversorgung durch Generatoren sichergestellt. Bei einem Angriff französischer Kampfjets am Wochenende seien aber die Treibstoffvorräte zum Betrieb der Geräte in Flammen aufgegangen. Bei dem Angriff war eine Anlage in Timbuktu, die den Islamisten als Kommandostützpunkt diente, zerstört worden.

Was in Mali auf dem Spiel steht

  • Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

    Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

  • Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

    Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

  • Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

    Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

  • Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

    Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

  • Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

    Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

  • Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

    Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Die radikalen Islamisten hatten in Timbuktu im vergangenen Jahr zahlreiche Mausoleen islamischer Heiliger zerstört und damit weltweite Empörung ausgelöst. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Nach einem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako im vergangenen März hatten sich drei mit der Terrorgruppe Al-Kaida verbundene Extremistengruppen das Chaos zunutze gemacht und sich in der Region festgesetzt.

Die Islamisten, die seit April den Norden Malis kontrollierten, waren vor zwei Wochen überraschend Richtung Süden vorgerückt. Um einen weiteren Vormarsch zu stoppen, griff Frankreich militärisch ein.

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Inzwischen gelang es malischen und französischen Truppen, mehrere Städte im Zentrum zurückzuerobern. Zuletzt beschossen französische Kampfflugzeuge Stellungen der Islamisten nahe der Stadt Gao.

Doch nicht nur französische Soldaten machen den Islamisten in Mali zu schaffen: Sie haben auch mit internen Zerwürfnissen zu kämpfen. Die Extremistengruppe Ansar Dine habe sich in zwei Teile gespalten, sagte ihr früherer Anführer Alghabass Ag Intalla am Donnerstag dem französischen Radiosender RFI.

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