Verhinderung des „Grexit“
USA fordern flexibleren Umgang mit Athen

Die USA warnen vor dem unkalkulierbaren Risiko eines „Grexits“ – und fordern Nachsicht gegenüber dem gebeutelten Land. Die Geldgeber reagieren eher verschnupft: Griechenland sei an seiner Misere selbst Schuld.
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London/BerlinDie USA drängen Europa und den IWF zu mehr Flexibilität im Umgang mit den reformmüden Griechen. US-Finanzminister Jack Lew warnte am Mittwoch vor dem G7-Finanzministertreffen, es im Schuldenstreit mit der neuen Regierung in Athen auf einen Kollaps ankommen zu lassen. Auch aus Sicht von Ökonomen birgt ein solches Szenario unkalkulierbare Risiken. Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht die Verantwortung für die Misere vor allem bei den Griechen selbst. „Die deutsche Bundesregierung ist nicht an allem schuld“, wies er den Schwarzen Peter von sich.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen (G7) beraten am Donnerstag und Freitag in Dresden über die Lage der Weltwirtschaft. Griechenland steht zwar nicht auf der Tagesordnung, dürfte aber am Rande ein wichtiges Gesprächsthema sein. Lew sagte in London, die Europäer und der Internationale Währungsfonds (IWF) müssten beweglich genug sein, um eine Eskalation zu verhindern. Seine größte Sorge sei, dass es zu Fehleinschätzungen der Folgen komme.

Rückendeckung bekam Lew von der EU-Kommission. „Wir teilen die Meinung, dass die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden müssen“, sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Voraussetzung sei aber, dass die griechische Regierung eine umfassende Reformliste vorlege. Auch am Donnerstag verhandelten die Experten über die Auflagen für die weitere Hilfsmilliarden.

Schäuble zufolge liegen die Ursachen des Problems nicht im Ausland. „In den meisten anderen Mitgliedsstaaten geht es wegen der niedrigen Ölpreise und der Abwertung des Euro aufwärts. In Griechenland aber nicht“, sagte der CDU-Politiker der „Zeit“. Das Land sei nicht wettbewerbsfähig. Die Griechen wollten den Euro behalten, nicht aber das Reformprogramm: „Das passt nicht zusammen.“

Dass es zu Beschränkungen im Geldverkehr kommen könne, schloss Schäuble nicht aus: „Die Entscheidung über Kapitalverkehrskontrollen obliegt allein den Mitgliedsstaaten.“ Wegen der drohenden Pleite ziehen die Griechen verstärkt Geld von ihren Konten ab. Nach Angaben von Insidern aus der Branche waren es im April fünf Milliarden Euro nach 1,9 Milliarden im März.

Am Finanzmarkt wird das Risiko eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone zurzeit als etwas geringer eingeschätzt. Im Mai gaben in einer Sentix-Umfrage unter 1000 Investoren 41,2 Prozent an, dies zu erwarten. Im April waren es noch 49 Prozent. Die Privatbank Metzler warnte eindringlich vor einem Euro-Austritt Griechenlands. Dies wäre vergleichbar mit einem Kopfsprung in unbekannte Gewässer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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