Verkehrschaos nach Anschlägen in London
Hunderttausende zu Fuß auf dem Heimweg

Nach den Anschlägen im Londoner Zentrum haben sich am Donnerstagabend Hunderttausende Pendler im Verkehrschaos zu Fuß auf den Heimweg gemacht. Dabei wussten viele Menschen nicht, wo sie die Nacht verbringen sollten.

HB LONDON. Zwar nahmen die Vorortzüge und Busse am späten Nachmittag den Betrieb wieder auf, doch waren weiterhin Straßen gesperrt. Die U-Bahn, die täglich drei Millionen Menschen befördert, soll erst am Freitagmorgen wieder fahren.

Auf den Brücken drängten sich die Fußgänger. Viele Menschen halfen sich gegenseitig: Autofahrer nahmen Unbekannte mit, damit diese nicht in London übernachten mussten. Eine Schifffahrtsgesellschaft auf der Themse bot kostenfreie Fahrten an.

Als Falle für Touristen entpuppten sich die Flughäfen der britischen Hauptstadt. Diese waren zwar den ganzen Tag über geöffnet, doch ging es von dort aus kaum weiter. So strandete auch ein Paar aus Norwegen. Nach dem Flug von Oslo nach Heathrow mussten sie stundenlang nach London laufen, bis sie endlich einen Bus zur Victoria Station erwischten. Nach einem weiteren Marsch durch die Stadt zu ihrem Hotel durften sie dieses nicht betreten, weil in der Nähe die Bombe in dem Bus explodiert war. Die Gegend war von der Polizei abgesperrt worden. „Das war kein großer Start in die Ferien“, sagte sie. Ihr Partner fügte aber hinzu: „Dass ist ein scheußlicher Vorfall, aber er hat uns nicht von Großbritannien abgebracht“.

Ein Pendler machte wie viele andere eine Pause in einem Pub: „Ich habe wegen einer kleinen Erfrischung angehalten, nachdem ich eine Stunde lang gelaufen bin ... andere Leute hatten die gleiche Idee“, sagte er. Ein Radfahrer, dem ein vorbeifahrender Autofahrer bei einer Reifenpanne half, sagte, er habe andere Gefälligkeiten gesehen, weil die Menschen sich helfen würden, nach Hause zu kommen.

Verkehrsminister Alistair Darling kündigte an: „Bis morgen früh erwarten die Verkehrsbetriebe die volle Wiederaufnahme des Bus- und U-Bahnbetriebs, wenn auch noch für einige Zeit Unterbrechungen zu erwarten sind“. Der Bahnhof Kings Cross werde aber für einige Tage geschlossen bleiben. Ein Manager der Verkehrsbetriebe begründete die lange Dauer der Unterbrechung des U-Bahnbetriebs mit einer genauen Untersuchung aller Züge und Bahnhöfe. Bei den Anschlägen auf U-Bahnen und einen Bus im morgendlichen Berufsverkehr waren mindestens 37 Menschen getötet worden, hunderte wurden verletzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%