"Verlängerte Werkbank“
Niedriglohn schlägt Steuervorteil

Er strahlt wie die Sonne über Lettlands Hauptstadt Riga. Detlef Reinsberg, Geschäftsführer der im nordhessischen Hofgeismar angesiedelten Autokühler GmbH (AKG), freut sich auf den Produktionsstart in Jelgava, einem Industrieort rund 40 Kilometer von Riga entfernt. "Im Juli geht es los", sagt der Unternehmer, dann beginnt die seit drei Jahren vorbereitete Herstellung von Kühlern für Baumaschinen und Kompressoren.

HB RIGA. Die AKG mit 220 Mill. Euro Jahresumsatz und weltweit 2 100 Mitarbeitern hat in Deutschland fünf Produktionsstandorte, in denen unter anderem auch Ladeluftkühler für die Mercedes-C-Klasse gefertigt werden. Zweigwerke und Niederlassungen gibt es in fünf weiteren Ländern - und nun kommt noch eine Fabrik in Lettland hinzu. Reinsberg spricht von einer "verlängerten Werkbank" für sieben Mill. Euro und mit zunächst 50 Mitarbeitern, die das mittelständische Familienunternehmen in der baltischen Republik ein Jahr nach deren Beitritt zur Europäischen Union aufbaut.

Für AKG-Inhaber Dirk Pietzcker liegen die Vorteile des neuen Standorts auf der Hand: Niedrige Lohnkosten, Zugang zum russischen Markt, logistische Vorteile gegenüber einer Produktion in Asien. Und die Unternehmensteuern, die in Lettland mit derzeit 15 Prozent fast konkurrenzlos niedrig sind? Sie haben bei der Standortfrage eine untergeordnete Rolle gespielt. "Die ganze deutsche Diskussion über Körperschaft- und Ertragsteuern ist relativ müßig", sagt Reinsberg, der sich eine Reform der deutschen Unternehmensbesteuerung bereits vor zehn Jahren gewünscht hätte: "Heute sind die Kapazitäten im Ausland aufgebaut, und eine Kompensation für die Investitionen erhält man schließlich nicht durch einen Steuernachlass."

Für den promovierten Wirtschaftsjuristen sind die Lohnkosten ein deutlich wichtigeres Argument. "In Lettland werden wir bei etwa 15 Prozent der deutschen Lohnkosten liegen", sagt er. Weil Kunden inzwischen Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent verlangten, sei es unumgänglich, kostengünstiger zu produzieren. "Das sichert indirekt auch die Arbeitsplätze in Deutschland", argumentiert Reinsberg. Ohne die Investition in Lettland drohten asiatische Konkurrenten seine Firma aus dem Markt zu treiben.

Seite 1:

Niedriglohn schlägt Steuervorteil

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%