Verlieren, um zu siegen?
Camerons gefährliches Spiel

Mit seinem Widerstand gegen Jean-Claude Juncker konnte sich David Cameron nicht durchsetzen. Die Niederlage nahm er in Kauf, um sich seinen Landsleuten als harter Hund zu zeigen. Doch die Strategie droht zu scheitern.
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LondonDie Briten denken gerade oft an Margaret Thatcher zurück. An die „eiserne Lady“ und ihr vehementes „No. No. No.“ zu einem vermeintlichen „europäischen Superstaat“. Sie läutete damit das Ende ihrer Amtszeit als Premierministerin ein.

Aber wenigstens, schrieb der „Guardian“ am Wochenende, habe Thatcher hin und wieder etwas erreicht für die Briten in Europa. Premierminister David Cameron dagegen komme mit leeren Händen, dafür „isoliert und grimmig“ vom EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel zurück.

Ähnlich sieht es Oppositionsführer Ed Miliband: „Er konnte keine Allianzen schmieden und mit seinen Drohungen hat er ein Europa, das uneins war über den besten Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten, zu einem Europa gemacht, das vereint ist gegen ihn“, schrieb der Labour-Vorsitzende in der „Sunday Times“.

Für sein „No“ zur Nominierung Jean-Claude Junckers als neuen EU-Kommissionspräsidenten, das ihm bei der Abstimmung beim EU-Gipfel eine krachende 26:2-Niederlage einbrachte, erntet Cameron aber auch öffentlichen Applaus. „Der Premierminister hat gezeigt, dass Großbritannien sich bei Reformen in der EU nicht zurückhalten wird“, schrieb etwa Ex-Verteidigungsminister und Tory-Rechtsaußen Liam Fox in der „Sun“.

Darauf hatte Cameron gehofft. Der Premier wollte sich als unbeugsamer Streiter für die britische Sache präsentieren. Als der Richtige, um die EU-Verträge für sein Land neu zu verhandeln. Um so letztlich die Briten davon zu überzeugen, beim versprochenen Referendum 2017 gegen den EU-Austritt zu stimmen.

Insofern war das Ringen um Juncker auch ein Schaukampf, spätestens, seit Kanzlerin Angela Merkel sich der Entrüstung in Deutschland beugen und Juncker unterstützen musste. Manchmal müsse man eine „Schlacht“ verlieren, um den „Krieg“ zu gewinnen, sagte Cameron.

Allerdings verschafft die Niederlage in der Schlacht um Juncker dem Briten kaum einen strategischen Vorteil. Im Gegenteil, um in seinem martialischem Bild zu bleiben: An der Heimatfront droht nun noch mehr Ärger. Denn die Nominierung der vermeintlichen Reformbremse Juncker ist Wasser auf die Mühlen der EU-Gegner, die den Premier seit Monaten vor sich hertreiben.

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  • Un was heisst hier er hat nichts gewonnen. Die 200 Millionen die England jetzt weniger bezahlt, ist das nichts...?

  • Wo ist denn dass Problem bei einem Brexit?
    Die sind nicht mal im Euro, da ist das doch kein Problem.
    Eine Freihandelszone reicht doch völlig mit England. Mehr wollen die eh nicht.

  • Diese Schmarotzer-Denke (Kolonial-Denke) passt nicht in ein Staatenbündnis von ehrlichen Menschen. Die Zeit der Kolonien ist beendet und England meint noch immer, dass andere Länder nur da sind, um der Krone demütig dienen zu dürfen.

    Tommy, it is time to go home

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