Verlust der Mehrheit
Schwere Schlappe für Haider-Partei in Kärnten

Die Rechtspopulisten des verstorbenen Jörg Haider haben bei den Wahlen im österreichischen Bundesstaat Kärnten eine schwere Niederlage erlitten. Gegenüber der letzten Wahl büßten sie fast die Hälfte der Stimmen ein.
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Wien/KlagenfurtEs ist eine tief enttäuschte Liebe. Die Kärntner haben sich am Sonntag von der Ära Jörg Haider verabschiedet. Zahlreiche Korruptionsskandale haben den vor fast fünf Jahren gestorbenen Rechtspopulisten und seine Erben in Ungnade fallen lassen, nie hat eine Partei bei Wahlen in Österreich einen größeren Stimmenverlust verzeichnen müssen. „Gerhard Dörfler ist durchgerasselt“, konstatierte der abgewählte Landeshauptmann (Ministerpräsident). Nun kehrt das ländlich geprägte und arme Bundesland dorthin zurück, wo es traditionell vor dem Auftritt des charismatischen Verführers war: Zu den Sozialdemokraten.

Als Landeshauptmann Haider im Oktober 2008 betrunken und viel zu schnell mit seinem Dienstwagen in den Tod fuhr, befand sich ein ganzes Land im Schockzustand. „In Kärnten ist die Sonne vom Himmel gefallen“, sagte Haider-Nachfolger Dörfler damals. Zehntausende trauerten in den Klagenfurter Straßen um den Mann, den viele wie einen Messias verehrten. Bei den als „Haider-Gedächtniswahlen“ bezeichneten Landtagswahlen wenige Wochen später bestätigte Kärnten Dörfler mit seiner damals noch als BZÖ (heute FPK) angetretenen Partei mit rund 45 Prozent.

Doch dann bröckelte das Erlöser-Bild von Haider und seinen Erben: Es tauchten Vorwürfe von unsauberen Geschäften, über Bestechung, Untreue bis hin zu illegaler Parteienfinanzierung auf. In der „Causa Birnbacher“ kam beispielsweise ans Tageslicht, dass die Haider-Partei und die konservative ÖVP beim Verkauf der Bank Hypo-Group-Alpe an die BayernLB Millionen öffentlicher Gelder in die Parteikassen umlenken wollten. Der stellvertretende Landeshauptmann Uwe Scheuch wurde verurteilt, weil er einem russischen Investor gegen eine Parteispende die österreichische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt haben soll.

Lange haben Politologen gezweifelt, ob die rund 440 000 Wahlberechtigten trotz der klaren Beweislage die Konsequenzen ziehen würden. Zu groß war die Verehrung für den „Landesvater“ Haider, der der Legende nach jedem Kärntner schon mal persönlich die Hand geschüttelt hatte. Seine Erben ließen locker jede Kritik mit der Gleichstellung des Landes und ihrer Politik („Lasse mir Kärnten nicht schlechtreden“) an sich abperlen.

Doch mit einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung von mehr als 70 Pozent haben die Bürger die Macht nun neu verteilt: „Eine Einschüchterungspolitik, die nach Gutdünken das Geld verteilt hat, die keine Kritik duldete, die Gleichstellung zwischen Politik und Land, hat heute eine Absage bekommen“, analysiert die Politik-Expertin Anneliese Rohrer im ORF. Nach Umfragen waren für sieben von zehn Kärntnern die Korruptionsskandale wahlentscheidend. 54 Prozent der Befragten sagten, dass sich Kärnten seit den letzten Wahlen negativ entwickelt hat.

Ein Kärntner Gastwirt formuliert es im ORF so: „Da gehören neue Strukturen her, da gehört eine neue Ehrlichkeit her.“ Und ein junger Angestellter sagt: „Man kann sich genieren für die Politik, die bei uns abgeht.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verlust der Mehrheit: Schwere Schlappe für Haider-Partei in Kärnten"

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  • @ No-Bail-Out
    Das ist mir auch aufgefallen, zumal anzunehmen ist, dass die Rechtspopulisten damals viele Protestwähler für sich gewinnen konnten. Die sind jetzt zu Stronach gewandert.

  • Merkwürdig, wie stark verkürzt das Wahlergebnis in dieser Meldung dargestellt wird: Ein mittellanger Artikel, in dem noch nicht einmal Prozentzahlen der Parteiergebnisse genannt werden. Dass sowohl in Kärnten wie in Niederösterreich, wo auch gewählt wurde (worüber ebenfalls nicht berichtet wurde) die Euro-kritische Partei "Team Stronach (TS)" mit 11% resp. 9% sicher den Einzug in die Landesparlamente schaffte, ist keine Zeile der Erwähnung wert. Weshalb?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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