Verlustreichster Tag
Ab Montag schweigen die Waffen

Zwar haben Israel und der Libanon einer Waffenruhe ab Montagmorgen zugestimmt, doch bis dahin setzt die israelische Luftwaffe ihre Angriffe unvermindert fort. Für die israelische Armee wurde der Tag, an dem der Waffenstillstand vereinbart wurde, zum verlustreichsten Tag seit Beginn der Kämpfe.

HB JERUSALEM. Der von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenstillstand im Libanon-Krieg soll am Montagmorgen um 7.00 Uhr beginnen. Sowohl der libanesische Regierungschef Fuad Siniora als auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hätten dem zugestimmt, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Samstagabend in New York.

„Ich bin glücklich mitzuteilen, dass die beiden Regierungschefs die Einstellung der Feindseligkeiten vereinbart haben und dass das Ende der Kämpfe am 14. August um 5.00 Uhr GMT in Kraft tritt“, erklärte Annan.

Das israelische Kabinett hat am Sonntag mit seinen Beratungen über den Waffenstillstand im Libanon begonnen, der nach Vermittlung der Vereinten Nationen am Montagmorgen beginnen soll. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte den Ministern, er hoffe, dass damit auch der Weg zur Freilassung der beiden Soldaten geebnet werde, die am 12. Juli von der Hisbollah entführt wurden.

Kabinettsminister Jisrael Maimon sagte, er hoffe auf eine baldige Entsendung libanesischer Streitkräfte in den Süden des Landes. Sobald diese in der nächsten oder übernächsten Woche beginne, sei die Voraussetzung für einen Rückzug der israelischen Truppen gegeben.

Trotz der Waffenstillstandsvereinbarung setzte die israelische Luftwaffe am Sonntag ihre Angriffe fort. Vor dem Morgengrauen zerstörten Kampfflugzeuge nach Polizeiangaben eine Brücke nahe der nordlibanesischen Stadt Halba in der an Syrien grenzenden Region Akkar.

Bei Vorstößen in den Südlibanon kamen am Samstag nach israelischen Militärangaben vom Sonntag 19 Soldaten ums Leben. Fünf weitere galten nach dem Abschuss eines Hubschraubers als vermisst. Dies ist die höchste Zahl von getöteten Soldaten an einem Tag seit Beginn des Krieges gegen die Hisbollah vor einem Monat. Damit hat die israelische Armee bisher mehr als 100 Soldaten verloren. Nach Angaben des israelischen Armeeradios kämpfen inzwischen 30 000 israelische Soldaten gegen die libanesische Hisbollah-Miliz.

Israelische Soldaten landeten mit Hubschraubern in der Nähe des Flusses Litani. Gleichzeitig stießen Truppen mit Panzern von der Grenze aus nach Norden vor. Mit dieser Ausweitung der Offensive am Samstagmorgen versuchte Israel, vor Beginn des Waffenstillstands weitere Gebiete im Süden des Libanons unter Kontrolle zu bringen. Mehrere Soldaten wurden bei der Explosion von Panzerabwehrraketen getötet, andere kamen in heftigen Gefechten mit Hisbollah-Kämpfern ums Leben. Zwei Soldaten wurden versehentlich von einem eigenen Panzer überrollt, wie die Streitkräfte mitteilten. Mehr als 50 Hisbollah-Kämpfer wurden nach israelischen Angaben getötet.

Im Marjamein-Tal, in der Nähe des Dorfes Jater, wurde erstmals seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli ein israelischer Hubschrauber abgeschossen. Nach Angaben der Hisbollah kam es danach zu heftigen Gefechten, als israelische Soldaten versuchten, die fünfköpfige Besatzung aus dem brennenden Wrack zu bergen.

Im seit einem Monat andauernden Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz sind inzwischen rund 1200 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon libanesische Zivilisten.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Samstag in Washington, die Ausweitung der Offensive sei erwartet worden. Sie hoffe, dass die Kämpfe in etwa einem Tag beendet würden. US-Präsident George W. Bush rief die Staatengemeinschaft auf, den Worten der am Freitag verabschiedeten UN-Resolution Taten folgen zu lassen und auf einen dauerhaften Frieden in der Region hinzuwirken. Die UN-Resolution sieht eine UN-Friedenstruppe von 15 000 Mann vor, die den libanesischen Streitkräften dabei helfen soll, das bislang von der Hisbollah beherrschte Gebiet im Süden Libanons zu sichern.

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