Vermögensabgabe
Euro-Krisenländer sollen Millionäre schröpfen

Der Reichtum der Oberschicht in den Euro-Krisenländern weckt Begehrlichkeiten. Deutsche Politiker fordern Vermögensabgaben. Durch die Einnahmen könnten deutsche Steuerzahler von Hilfszahlungen entlastet werden.
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Berlin/DüsseldorfCDU, SPD und sogar die FDP sind sich beim Thema Vermögensabgabe für Reiche ausnahmsweise einig. Alle drei Parteien wollen die Reichen kräftig schröpfen - allerdings nicht in Deutschland sondern in den Euro-Krisenländern. Ein solches Signal wäre gerade in Deutschland, das die Hauptlast der Euro-Rettung trägt, besonders willkommen, um der wachsenden Kritik aus den Fraktionen und der Bevölkerung an immer neuen Hilfsmilliarden zu begegnen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte schon frühzeitig sein Interesse an einer Zwangsanleihe in den Euro-Krisenstaaten erkennen lassen. Auch aus der SPD gibt es Zustimmung: Er hoffe, dass "reichlich vorhandene Privatvermögen" nun nicht aus den Schuldenstaaten abflössen, sondern "zur Krisenbewältigung eingesetzt werden", sagte Fraktionsvize Joachim Poß. Zwangsanleihen seien "durchaus denkbar", zumal Reiche in den mediterranen Ländern bislang offenbar nicht einmal gewohnt gewesen seien, Steuern zu zahlen.

Poß unterstützt einen Vorstoß des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Ökonomen plädieren dafür, Vermögende in den Krisenländern mit einer Zwangsanleihe oder einer Vermögensabgabe an der Sanierung der Staatsfinanzen zu beteiligen.

Zwangsanleihen oder einmalige Vermögensabgaben hätten zwei Vorteile, schreibt das DIW in seiner Studie: Zum einen belasteten sie - anders als etwa eine Mehrwertsteuererhöhung - kaum die Konsumnachfrage. Zum anderen wären sie ein Signal an die Geberländer, dass die Empfänger von Hilfsmilliarden der Euro-Partner sich auch selbst besonders anstrengen.

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Kommentare zu " Vermögensabgabe: Euro-Krisenländer sollen Millionäre schröpfen"

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  • „Diese Meldung ist doch wie Karneval fürs Volk“.

    Da werden ein paar Baldrian-Lutschbonbons ins Volk geworfen, damit sich das Volk wieder beruhigt.

    Prima, jetzt endlich müssen die Reichen auch zahlen …

    Wer alles glaubt, was einem im Funk, Fernsehen, Printmedien, Internet, usw. untergejubelt wird, hat auch verloren.

    Es geht der Punk ab, aber keiner will es zulassen!

    Es wird noch richtig übel …

  • Im Grunde ist die Idee, die großen Vermögen zum Ausgleich der Überschuldung in mindestens 12 von 17 Euroländern, die eigentlich unter den Rettungsschirm müssten - darunter auch dieses Land - nicht unbegründbar, denn die haben ja ihre Vermögen zum großen Teil auch mit hohen staatlichen und europäischen Subventionen angehäuft und können jetzt nicht, außerhalb des fiskalischen Euroraumes zusehen, wie ihre Länder untergehen, weil sie angeblich mehr dem Globalprinzip als "nationalen Eigenarten" verpflichtet sind.
    Aber man sollte ruhig überlegen und die neue Rettungseuphorie auf eine solidere Basis stellen, wozu unbedingt eine geordnete Buchführung gehört: Geht man von den Verhältnissen dieses Landes aus, muß man schon bei den Schulden feststellen, daß sie nicht ordnungsgemäß ermittelt sind: Dieses Land nennt nur immer die bilanzierte Schuld aus aufgenommenen Krediten von rd. 2,5 Bio. Euro, was etwa 100% des BIP ausmacht. Daneben ist dieser Staat (Bund, Länder, Gemeinden) aber Verpflichtungen gegenüber seinen Sozialkassen von rd. 5,0 Bio. Euro eingegangen, also nochmals 200% BIP, die durch schlichtes nicht bilanzieren aber nicht aus der Welt zu schaffen sind. So gesehen sind die rd. 10,0 Bio. Euro Nettogesamtvermögen, die zu 70% den "Reichen" gehören und schon seit 2009 nicht mehr "im Lande" sein sollen, auch nicht die Welt. Bei den übrigen EU-Ländern mag es ganz ähnlich aussehen.

  • Was aber die Pleite nicht verhindert, weil ein Staatsbankrott so definiert wird, dass ein Staat bankrott ist, sobald er seinen eingegangenen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt; und wenn er sich mittels Inflation seiner Verpflichtungen entledigt, ist das als seinen Verpflichtungen nicht mehr nachzukommen zu werten.

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