Vermögensabgabe im Gespräch: Rettungspaket für Zypern soll schrumpfen

Vermögensabgabe im Gespräch
Rettungspaket für Zypern soll schrumpfen

Die Kriseninsel wartet sehnlichst auf das 17,5-Milliarden-Hilfspaket der Euro-Länder. Doch die Europäer prüfen nun neue Modelle zur Sanierung des Finanzsektors – so sollen Zyperns Banken an den Kosten beteiligt werden.
  • 17

BrüsselDie internationalen Geldgeber prüfen nach Informationen des Handelsblatts (Freitagausgabe) derzeit mehrere Maßnahmen, um das geplante Hilfspaket für Zypern zu verkleinern. Vor allem Deutschland dringt darauf, Zyperns Banken an den Kosten zu beteiligen.

Die radikalste Option wäre eine Nutzung der Spareinlagen, die auf den Bankkonten des Landes liegen. Die EU-Kommission sieht ein solches Bail-in allerdings kritisch. Sie befürchtet, dass es das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte in die Euro-Zone erneut erschüttern könnte.

Man müsse die finanzielle Stabilität der Währungsunion im Blick behalten, hieß es in Brüssel. Allerdings ist man sich innerhalb der Behörde bei der Ablehnung des Bail-in nicht einig. Eine Möglichkeit bei einem solchen Bail-in wäre es auch, die Guthaben der Zyprer nicht anzurühren, sondern nur die der ausländischen Sparer. Das dürfte jedoch Rechtsstreitigkeiten mit den betroffenen Staaten provozieren.

Neben einem Bail-in wird nach Angaben aus Verhandlungskreisen auch eine Vermögensabgabe diskutiert. So könnte man zumindest reiche Zyprer an der Rettung beteiligen. Dazu passt eine bisher unveröffentliche Studie der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach Informationen des Handelsblatts haben die 17 nationalen Notenbanken unter EZB-Federführung die Vermögenssituation in den Euro-Staaten untersucht. Bei den privaten Pro-Kopf-Vermögen soll Zypern innerhalb der Euro-Zone in der Spitzengruppe liegen, noch vor Deutschland, Frankreich und Italien.

Kommentare zu " Vermögensabgabe im Gespräch: Rettungspaket für Zypern soll schrumpfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die „radikalen Optionen“ (Zitat Handelsblatt) sind, ebenso wie die Vermögensabgabe, eine gute Idee. Aber warum wird so etwas erst jetzt angedacht? Kann es sein, dass die – oft russischen – Kunden zypriotischer Banken keine so gute Lobby in Brüssel haben wie das europäische und amerikanische Bankensystem, das bei einer Beteiligung der Einleger und Gläubiger bei den vorangegangenen „Rettungsaktionen“ geschont wurde?

  • Zitat aus der SDZ : Allerdings würde das Programm die zyprische Staatsschuld gemessen an der Wirtschaftsleistung auf ein untragbares Niveau von etwa 140 Prozent katapultieren.
    Trotz der Probleme sieht die Bundesregierung intern keine Chance mehr, die Hilfen zu verhindern - zu groß ist der Druck der Euro-Partner und der Europäischen Zentralbank (EZB).

    Das "Sparschweinchen auf Rädern" hat doch eben 4 Mrd. € Steuereinnahmen zusätzlich verkündet ! Ab nach Zypern damit, ist doch "INTERN" schon beschlossen.??!!!

  • Ja, hoffentlich bald. Wenn wir nämlich Ursache und Wirkung nicht mehr länger verwechseln, erkennen wir sehr schnell, dass wir in Wirklichkeit keine Schulden-, sondern eine Guthabenkrise haben. Denn die Guthaben der Einen sind bekanntlich die Schulden der Anderen. Und wenn die (Groß-)Geld-Horter weiterhin in beachtlichem Stil den Konsum verweigern, werden wir die Staatsschulden nie abbauen. Schließlich sparen ja inzwischen in Deutschland alle Sektoren der Volkswirtschaft, die privaten Haushalte, die Unternehmen und der Staat - über die Schuldenbremse. Auf letztere könnten wie aber in einem Käufermarkt locker verzichten, wenn wir eine Guthabenbremse einführen würden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%