Vermögenssteuer
Labour bittet reiche Briten zur Kasse

Die Scheere zwischen Arm udn Reich geht immer weiter auseinander, im Staatshaushalt klafft eine Milliardenlücke. nun sollen die Millionäre zahlen. Die Labour-Regierung will den Grundsatz „Vermögen verpflichtet“ gesetzlich festschreiben.

LONDON. Mehr Steuern zahlen oder lieber spenden? Diese Frage beschäftigt reiche Briten, seit der Labour-Abgeordnete Frank Field zehn Prozent Reichensteuer auf Vermögen von über 150 000 Pfund (200 000 Euro) gefordert hat. Allerdings soll die zusätzliche Steuerlast gegen großzügige Spenden oder andere wohltätige Aktivitäten verrechnet werden können. „Ziel ist nicht, den von der Regierung ausgegebenen Teil am nationalen Einkommen noch größer zu machen“, so Field.

Die Debatte über Steuergerechtigkeit läuft bei den Briten auf Hochtouren, weil einerseits die Wohlstandskluft dramatisch wächst, andererseits alle Versuche, Wohlhabende stärker zu besteuern, an Grenzen stoßen. „Wir haben Probleme, weil es angesichts des Wettbewerbs durch die Globalisierung schwer ist, die Steuern zu erhöhen“, gab der Leiter des Cabinet Office, Gus O’Donnell, in einer Rede zu. Damit schloss er Steuererhöhungen praktisch aus, obwohl im britischen Haushalt eine Milliardenlücke klafft.

Auch Schatzkanzler Alistair Darling musste bei seinem jüngsten Versuch, Steuerprivilegien für Ausländer abzubauen, angesichts massiver Proteste aus der Londoner City den Rückzug antreten. Der amtierende Leiter der Zoll- und Finanzbehörden, Dave Harnett, stellte die Pläne in einem Schreiben an Unternehmen „richtig“. So versicherte er etwa, dass betroffene Ausländer auch nach über siebenjähriger Verweildauer keine Steuerangaben über im Ausland anfallende Gewinne und Vermögen machen müssen, wenn sie die „Fairnessgebühr“ von 30 000 Pfund bezahlen. Beobachter streiten nun, was Darling zur Kehrtwende bewog – die Drohung griechischer Reeder, das internationale Schiffsbrokering Business aus London abzuziehen, oder Proteste reicher Labour-Geldgeber, wie der des indischen Stahlmilliardärs Lord Swraj Paul (Caparo Industrial Group), der die Steuergebühr als „unfair“ bezeichnete.

Wie weit sich die Schere zwischen Arm und Reich in Großbritannien inzwischen geöffnet hat, zeigen neue Daten des Europäischen Statistikamtes Eurostat. Demnach ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in der Londoner City dreimal größer als im EU-Durchschnitt. Die britische Hauptstadt liegt damit in der Europäischen Union mit weitem Abstand an der Spitze (siehe „Reiche Metropole“). Gleichzeitig leben ein Fünftel aller Kinder in Großbritannien in Haushalten, die auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Deshalb will der Labour-Außenseiter Field, der 1998 von Gordon Brown aus seinem Amt als Minister für Sozialreformen verdrängt wurde, den „gebrochenen Vertrag zwischen Wohlstand und Philanthropie“ wieder reparieren – notfalls per Gesetz. Die frühere Premierministerin Margaret Thatcher erwartete sich von ihrer Senkung der Spitzensteuersätze von 98 auf maximal 40 Prozent eine Renaissance alter philanthropischer Traditionen. „Dieser Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen“, sagte Field. Superreiche bräuchten eine „Ermutigung, sich der Verantwortung des Reichtums zu stellen“.

Der Labour-Politiker vergleicht die heutigen Superreichen mit Unternehmern des späten 19. Jahrhunderts: „Weder geben sie einer großen Zahl von Menschen Arbeit, noch sind sie großzügige Spender.“ Großbritannien sei ein „Milliardärsparadies“. 2006 hätten laut der Steuerberatungsfirma Grant Thornton 54 Milliardäre auf ein Gesamtvermögen von 126 Mrd. Pfund nur 14,7 Mill. Pfund Steuern bezahlt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%