Vermutlich 50 Tote
Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Bei einem neuen Flüchtlingsdrama im Mittelmeer sind womöglich Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Ein Boot mit 120 Flüchtlingen an Bord sank am Samstagmorgen vor der italienischen Insel Lampedusa. Dabei kamen vermutlich 50 Menschen ums Leben.

HB LAMPEDUSA. Zehn leblose Körper konnten geborgen werden, während weitere 40 Einwanderer in den Fluten versanken - darunter mindestens zehn Minderjährige, berichteten italienische Medien am Sonntag. Die Zeitung „La Repubblica“ sprach von einem „Massaker der Kinder“. Die Suche nach den Vermissten wurde am Sonntag mit Schiffen, Hubschraubern und Flugzeugen fortgesetzt. Weitere 70 Insassen des zehn Meter langen Bootes waren in der Nacht zum Samstag von einem Schiff der italienischen Marine gerettet worden.

Unterdessen gibt es unterschiedliche Versionen zu den Gründen des Unglücks. Eventuell habe das Schiff das Boot bei dem Rettungsversuch gerammt und so zum Sinken gebracht, zitierten Medien eine Augenzeugin. Die Staatsanwaltschaft von Agrigent leitete Ermittlungen ein. Ein anderer Flüchtling erzählte hingegen, die verzweifelten Immigranten, die größtenteils aus Nordafrika, Somalia und Eritrea stammen, seien beim Anblick des Militärschiffes alle auf eine Seite des Bootes gerannt und hätten es zum Kentern gebracht.

Auch auf den Kanarischen Inseln nimmt der Zustrom von afrikanischen Bootsflüchtlingen weiter zu. Wie die spanischen Behörden am Sonntag mitteilten, gelangten am Wochenende binnen 48 Stunden über 1000 illegale Zuwanderer von der Küste Westafrikas auf die Inselgruppe, mehr als im gesamten Monat August des Vorjahres. Seit Jahresanfang erreichten über 17 000 Afrikaner mit Booten die Kanarischen Inseln, drei Mal so viele wie im Jahr 2005 insgesamt.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero räumte ein, dass die eingesetzten Mittel im Kampf gegen die illegale Zuwanderung unzureichend seien. Er forderte die Europäische Union auf, sich bei der Suche nach einer Lösung des Problems stärker zu engagieren.

In Griechenland fängt die Küstenwache seit Tagen immer neu ankommende Flüchtlinge auf. Am Sonntag entdeckte sie 18 illegale Einwanderer vor der ostägäisinsel Lesbos. Die aus verschiedenen Staaten des Nahen Ostens stammenden Flüchtlinge waren auf einem Boot von der gegenüberliegenden türkischen Küste gestartet. Wie sie griechischen Medien sagten, hätten sie 500 Euro an Schleuser für die Überfahrt gezahlt. Von den Schleusern fehlte jedoch jede Spur. Bereits am Samstag hatten weitere 42 Illegale von der Türkei aus auf verschiedene Inseln der Ägäis übergesetzt.

Nach der Tragödie vor Lampedusa wurden hingegen fünf mutmaßliche Schlepper festgenommen. Der italienische Innenminister Giuliano Amato rief zu einem verstärkten Kampf gegen die Schlepperbanden auf. Seit Wochen stehe er zudem in engem Kontakt zu den libyschen Behörden, um Lösungen für das Flüchtlingsproblem zu finden und Patrouillen vor der Küste des nordafrikanischen Landes einzurichten. Ende August soll auf dem ebenfalls stark vom Migrationsfluss betroffenen Malta ein Gipfeltreffen stattfinden, bei dem die Arbeit der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex besser definiert werden soll.

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