Vernehmung des belgischen Todesschützen
Kind war „zur falschen Zeit am falschen Ort“

Der rassistisch motiverte Doppelmord des erst 18 Jahre alten Todesschützen von Antwerpen erschüttert Belgien. Der erst 18-Jährige zeigte sich bei seiner Vernehmung kalt: Das ermordete zweijährige Mädchen heller Hautfarbe habe einfach Pech gehabt.

HB BRÜSSEL. Der Todesschütze sagte bei seiner ersten Vernehmung nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus: Er habe das Kind erschossen, weil es „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen sei. Die Zweijährige war mit ihrem ebenfalls getöteten Kindermädchen, das eine sechsjährige Tochter hinterlässt, im Zentrum von Antwerpen unterwegs.

Die Regierung will hart durchgreifen und das Waffengesetz im Land rasch verschärfen. Am Dienstag werde der Justizausschuss des Parlaments die vor Jahren begonnenen Beratungen mit höchster Dringlichkeit wieder aufnehmen, berichteten belgische Zeitungen am Samstag. Premierminister Guy Verhofstadt hatte den Parlamentspräsidenten und die Ausschussvorsitzende, die beide seiner liberalen Partei angehören, am Freitag zu einer schnellen Gesetzesänderung aufgefordert.

Der 18 Jahre alte Todesschütze von Antwerpen hatte am Donnerstag ein Jagdgewehr und 20 Schuss Munition gekauft, bevor er gezielt auf Menschen fremder Herkunft schoss. Eine junge Frau aus Afrika wurde ebenso getötet wie ein zweijähriges hellhäutiges Mädchen in ihrer Obhut. Eine Türkin erlitt schwere Verletzungen.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Josep Borrell, äußerte „tiefe Abscheu“ angesichts der rassistisch motivierten Morde. Die barbarische Tat müsse nicht nur für alle Belgier, sondern für die Europäer insgesamt Anlass zum Nachdenken sein, erklärte Borrell am Freitagabend. „Die Banalisierung der Rechtsextremen und ihrer rassistischen Vorstellungen ist eine ernste Gefahr für unsere Demokratien“, betonte der sozialistische Parlamentspräsident.

Ein Haftrichter in Brügge verlängerte unterdessen die Untersuchungshaft für drei Skinheads, die vor einer Woche zwei Menschen brutal zusammengeschlagen hatten. Eines der Opfer, ein Franzose afrikanischer Herkunft, liegt noch im Koma. Ein Gericht in Antwerpen verurteilte nach Medienberichten vom Samstag zwei Polizisten zu einem und drei Jahren Gefängnis, weil sie zwei Algerier nach einer Drogenkontrolle gefoltert und bestohlen hatten.

Unterdessen wurden nähere Einzelheiten zum familiären Umfeld des geständigen Todesschützen bekannt. Seine Tante Frieda Van Themsche sitzt für die offen ausländerfeindliche Flamen-Partei Vlaams Belang im belgischen Parlament. Auch sein Vater gehört nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga seit den Anfängen zu den Mitgliedern der Partei, die bis zu einem Gerichtsurteil unter dem Namen Vlaams Blok firmierte. Der Großvater des 18-Jährigen habe im Zweiten Weltkrieg für Nazi-Deutschland an der Ostfront gekämpft.

Vorstandsmitglieder der Partei, die bei der Kommunalwahl in Antwerpen 1999 mit einem Drittel der Stimmen stärkste Kraft wurde, wiesen jede Verbindung mit der Tat von sich. „Der Vlaams Belang ist hierfür weder moralisch noch politisch verantwortlich“, sagte Parteichef Frank Vanhecke der Zeitung „De Standaard“. Kommentatoren, liberale Politiker und Muslime warfen der Partei hingegen vor, den Nährboden für rassistische Gewalt bereitet zu haben.

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